Der Riese Gordoffsky

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Berliner Gerichtszeitung, 1. Februar 1890

Der Riese Gordoffsky, dieses merkwürdige Naturphänomen, das in Castans Panoptikum das Staunen aller Besucher bildet, hat bereits auch die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf sich gelenkt. Ganz wie das große Publikum, sind auch einige hervorragende Gelehrte, die vor mehreren Tagen den Riesen einer „eingehenden Besichtigung“ unterzogen, zu der Ueberzeugung gelangt, daß Gordoffsky mit seinen ungeheuerlichen Körperdimensionen zu den Allergrößten zählt, die sich überhaupt als Riesen in Europa sehen ließen. Interessant dürfte übrigens die Thatsache sein, daß sich dieser größte der Enakssöhne zu dem Allerkleinsten ganz mächtig hingezogen fühlt, nämlich zu den possierlichen Puppen des lustigen Wiener Kasperle-Theaters, die im Illusionssaal des Castan’schen Panoptikums nach jeder Vorstellung der „Galatée“ und der „Magneta“ ihr übermütig-tolles Spiel treiben. Dann gehört Gordoffsky zu den aufmerksamsten, ja zu den andächtigsten Zuschauern, er versäumt kaum eine Vorstellung, und bei den lustigen Streichen Kasperles entringt sich der mächtigen Brust des Riesen regelmäßig ein Lachen, so dröhnend, daß die Wände des Saales zu erzittern scheinen.

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