Rektoratswahl in Königsberg

Dieser Artikel wurde 3721 mal gelesen.

Allgemeine Zeitung des Judenthums, 9. Februar 1890

Königsberg, 29. Januar. Wie gewisse Kreise über die Befähigung der Juden für öffentliche Aemter denken, hat die Rektoratswahl in Königsberg am vorigen Dienstag gezeigt. Bis dahin galt es als unzweifelhaft, daß Prof. Hermann diesmal in der Reihenfolge der Professoren zum Rektor ausersehen sein würde. Da erhoben einige Mitglieder des Senats in den letzten Tagen vor der Wahl Bedenken gegen Hermann, weil derselbe Jude sei. Man erzählt, es sei von einzelnen Leuten besonders betont worden, daß der Besuch der; Kaisers im Laufe des Jahres in Königsberg zu erwarten sei und man könne doch Sir. Majestät nicht Namens der Universität einen Rektor jüdischer Konfession vorstellen. Im Anfang erregte diese Opposition selbst bei Nationalliberale großen Unwillen, da im Ganzen die früheren liberalen Traditionen an der Albertina noch nicht vergessen sind, aber es gelang doch den Anstrengungen der führenden Herren, ihre Meinung durchzusetzen, und es wurde am letzten Dienstag Prof. Buggenhagen mit einer Mehrheit von drei Stimmen gegen Hermann gewählt, obwohl Buggenhagen selbst für Hermann gestimmt hatte.

Mehr zum Thema „Antisemitismus“ bei Libera Media (erhältlich über Amazon, einfach auf das Bild klicken):

Deutschtum%20und%20Judentum%20klein%202

Eine ausführliche Einleitung und zahlreiche Fußnoten zu Personen, Sachverhalten und ungewöhnlichen Wörtern helfen dem heutigen Leser beim Verständnis.

Siehe auch:

Dieser Beitrag wurde unter 1890, Antisemitismus, Geschichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar