Blaubeerenwein soll der arme Mann trinken

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Der Reichsfreund, 16. Februar 1890

Blaubeerenwein soll der arme Mann trinken, keinen Traubenwein, sagte der Kartellkandidat im Wahlkreise Rothenburg-Hoyerswerda Graf Arnim in einer Wählerversammlung, als von einem der Anwesenden gemeint wurde, der Wein solle ebenso wie der Branntwein besteuert werden. Noch lieber freilich ist es dem Herrn Grafen, wenn der Minderwohlhabende beim Branntwein bleibt, denn er sagte wörtlich: „Es ist die patriotische Pflicht jedes Deutschen, sein Glas Branntwein, wenn es auch theuer ist, in dem Bewußtsein zu trinken, daß er durch den Mehrbetrag das Herr stärkte, denn der Betrag der Branntweinsteuer fließt dem Heere zu.“ Daß vorher ein hübsches Sümmchen des Mehrbetrages in den Händen der Großgrundbesitzer kleben bleibt, hat der Herr Graf wohlweislich zu sagen unterlassen. Früher führte man als Zweck der Einführung der Branntweinsteuer auch die Hebung der Sittlichkeit an; der Verkauf des billigen Weines, selbst eines Blaubeerenweines, wäre wohl geeignet, auf die Verminderung des Schapsgenusses einzuwirken. Aber die Beerengebiete, die von den Herren Gutsbesitzern nicht billig abgegeben werden, verteuern erstens das wohlfeile Getränk. Ferner ist in einigen Städten Oberschlesiens die Einrichtung von Blaubeerenwein-Volksstuben polizeilich untersagt worden, wiewohl mit solchen in Oppeln gute Erfolge erreicht worden sind.

Siehe auch: Hintergrund: Kartellparteien

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