Als die deutsche Masseneinwanderung Amerika bedrohte

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Von Benjamin Franklin stammt das schöne Wort: „Bier ist der Beweis, daß Gott uns liebt und will, daß wir glücklich sind.“ Man könnte von daher meinen, daß der Gründervater sich über den Zuzug von Deutschen und die Belebung der amerikanischen Trinkkultur ganz besonders gefreut hätte.

Das war aber nicht der Fall. Im Gegenteil reagierte Franklin mit großer Sorge auf die deutschen Einwanderer und bemühte dabei fast jedes Argument, das auch heute gegenüber Einwanderern gebräuchlich ist. Interessanterweise geschah dies alles nicht aus reiner Unkenntnis. 1732 hatte Benjamin Franklin sogar die erste deutschsprachige Zeitung Amerikas, die „Philadelphische Zeitung“, begründet, welche allerdings bald wieder einging. 1766 hielt er sich zu einem Besuch in Deutschland auf. Und später 1785 war er an den Verhandlungen über den Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen Preußen und den USA beteiligt.

Doch die deutschen Einwanderer waren ihm nicht geheuer. In einem Pamphlet, das er 1751 verfaßte und das 1755 veröffentlicht wurde, beklagte er die Überschwemmung seines Heimatstaats Pennsylvanien durch ungehobelte Deutsche:

Und da Haufen von Engländer aus Britannien, wenn sie nach Amerika gesandt werden, zuhause so bald ersetzt werden und hier so stark anwachsen, warum sollten wir dulden, daß pfälzische Rüpel in unsere Siedlungen schwärmen und, indem sie sich zusammendrängen, ihre Sprache und Verhaltensweisen etablieren bei Ausschluß unserer? Warum sollte Pennsylvanien, begründet von Engländern, eine Kolonie von Fremden werden, die bald so zahlreich sind, daß sie uns zu Deutschen machen, anstatt wir sie zu Engländern, und die niemals unsere Sprache und Verhaltensweisen irgendwie eher annehmen werden als unsere Hautfarbe.

Warum Hautfarbe? Weil Benjamin Franklin festgestellt hatte, daß die Deutschen keine Weißen waren, sondern eine dunklere Hautfarbe hatten. Von dieser Diagnose nahm er nur die Sachsen aus, wobei damit die heutigen Niedersachsen oder allgemeiner die Norddeutschen gemeint waren, die nach Ansicht von Franklin, den Engländern am nächsten stünden:

Was mich dazu bringt, eine Bemerkung hinzuzufügen: Daß die Zahl der reinen Weißen in der Welt verhältnismäßig gering ist. Ganz Afrika ist schwarz oder gelblich braun [tawny]. Asien ist gelblich braun. Amerika (außer die neu Kommenden) ist ganz so. Und in Europa sind die Spanier, Italiener, Franzosen, Russen und Schweden im Allgemeinen von einer Hautfarbe, die wir olivfarben [swarthy] nennen, genauso wie auch die Deutschen, ausgenommen die Sachsen, die zusammen mit den Engländern den Hauptteil der Weißen auf der Erde ausmachen. Ich wünschte, ihre Zahl würde vermehrt. Und während wir, wie ich es nennen möchte, unseren Planeten reinigen, indem wir die Wälder Amerikas abholzen und so unsere Seite der Erdkugel dazu bringen, ein helleres Licht zu den Augen der Bewohner von Mars und Venus zurückzuwerfen, warum sollten wir beim Anblick überlegener Wesen unser Volk verdunkeln? Warum die Söhne Afrikas vermehren, indem wir sie in Amerika ansetzen, wo wir gute Gelegenheit haben, unser schönes Weiß und Rot zu vermehren, indem wir Schwarze und gelblich Braune ausschließen?

Allerdings reflektierte er schließlich doch ein wenig, ob er nicht parteiisch sein könnte:

Aber vielleicht bin ich voreingenommen für die Hautfarbe unseres Landes, denn eine solche Voreingenommenheit ist für die Menschheit natürlich.

In einem Brief am 9. Mai 1753 an Peter Collinson schüttete Benjamin Franklin dann erneut sein Herz aus, was mit den Deutschen falsch lief. Nur die Dümmsten wanderten ein und dazu seien sie auch noch bar jeder Bildung:

Ich stimme vollkommen mit Ihnen überein, daß Maßnahmen von großer Bedachtsamkeit mit den Deutschen notwendig sind, und bin nicht ohne Sorgen, daß große Unordnung und Unbequemlichkeit eines Tages durch ihre Unbesonnenheit, unsere oder die beider Seiten unter uns entstehen könnten. Diejenigen, die hierher kommen, sind im Allgemeinen die unwissendste und dümmste Art ihres eigenen Volkes.

Sie lernten nicht die Landessprache und bildeten eine Parallelgesellschaft mit unmöglichen Verhaltensweisen:

Und da Unwissenheit oft von Leichtgläubigkeit begleitet ist, wenn Gaunerei sie in die Irre führt, und von Mißtrauen, wenn Ehrlichkeit sie berichtigen möchte, und weil wenige der Engländer die deutsche Sprache verstehen und sie weder durch die Presse noch durch die Kanzel angesprechen können, ist es beinahe unmöglich, irgendwelche ihrer Vorurteile zu beseitigen, die sie einmal unterhalten. Ihre eigene Geistlichkeit hat sehr wenig Einfluß auf das Volk, das eine ungewöhnliche Freude daran hat, den Pfarrer zu schmähen und bei jeder belanglosen Gelegenheit zu entlassen.

Auch die Werte der Leitkultur seien ihnen fremd:

Da sie nicht an Freiheit gewöhnt sind, wissen sie nicht, wie man einen bescheidenen Gebrauch von ihr macht. Und wie Kolben von den jungen Hottentotten sagt, daß sie nicht als Männer geachtet werden, bis sie ihre Männlichkeit bewiesen haben, indem sie ihre Mutter geschlagen haben, so scheinen sie sich selbst nicht für frei zu halten, bis sie ihre Freiheit dabei fühlen, ihre Lehrer zu schmähen und zu beleidigen. So stehen sie unter keiner Zügelung durch die kirchliche Herrschaft.

Mittlerweile arbeiten sie auch daran, das Land politisch zu übernehmen:

Sie verhalten sich jedoch zurzeit hinreichend unterwürfig gegen den Staat, was sie nach meinem Wunsch weiter tun sollten; denn ich erinnere mich, wie sie bescheiden ablehnten, sich in unsere Wahlen einzumischen. Aber nun kommen sie in Scharen und schleppen alle vor sich her außer in einem oder zwei Bezirken.

Die Integration scheitere an ihrem beharrlichen Festhalten an der deutschen Kultur:

Wenige ihrer Kinder im Land lernen Englisch. Sie führen viele Bücher aus Deutschland ein, und von den sechs Druckereien in der Provinz sind zwei völlig deutsch, zwei halb deutsch, halb englisch und nur zwei völlig englisch. Sie haben eine deutsche Zeitung und eine halb deutsche. Anzeigen, die sich an die Allgemeinheit wenden, werden jetzt auf Deutsch und Englisch gedruckt. Die Straßenzeichen sind in beiden Sprachen beschriftet und an manchen Orten nur in Deutsch. Sie haben unlängst angefangen, alle ihre Verträge und rechtlichen Schriften in ihrer eigenen Sprache zu verfassen, welche (auch wenn ich denke, daß es nicht so sein sollte) von den Gerichten zugelassen werden, wo das Geschäft der Deutschen so zunimmt, daß es einen beständigen Bedarf an Dolmetschern gibt. Und ich nehme an, daß sie in einigen Jahren auch im Parlament notwendig sein werden, um der einen Hälfte der Abgeordneten zu sagen, was die andere Hälfte sagt.

Die Übernahme des Landes durch die Deutschen sei bei ihrer Masseneinwanderung nur eine Frage der Zeit:

Kurzum werden sie uns, wenn der Strom der Einwanderung nicht von dieser in andere Kolonien umgelenkt werden kann, wie Sie sehr sorgsam vorschlagen, bald so an Zahlen übertreffen, daß alle die Vorteile, die wir haben, nach meiner Ansicht nicht unsere Sprache erhalten können werden und sogar unser Staat in eine bedenkliche Lage kommt.

Außerdem seien sie die fünfte Kolonne europäischer Mächte:

Die Franzosen, die ihre Vorteile auf jede Weise beobachten, schaffen eine Ansiedlung von Deutschen hinter uns in Illinois. Und mithilfe jener Deutschen könnten sie beizeiten zu einer Verständigung mit unseren Deutschen kommen. Und tatsächlich zeigten unsere Deutschen beim letzten Krieg eine allgemeine Neigung, die uns nichts Gutes verheißt; denn als die Engländer, die keine Quäker waren, durch die Gefahr allarmiert waren, die vom ungeschützten Zustand unseres Landes herrührte, und nachdem sie einmütig in eine Verbindung innerhalb dieses Staates und mit den unteren Ländern eingetreten waren, und fast zehntausend Mann, bewaffnet und diszipliniert, aushoben, weigerten sich die Deutschen bis auf sehr wenige im Verhältnis zu ihrer Anzahl, sich dabei zu engagieren, indem sie untereinander die Parole ausgaben, ja sogar in gedruckter Form, daß, wenn sie ruhig wären, falls die Franzosen das Land einnähmen, diese sie nicht belästigen würden. Zur gleichen Zeit schmähten sie die Einwohner von Philadelphia dafür, daß sie Kaperschiffe gegen den Feind ausrüsteten, und stellten die Mühe, das Risiko und die Kosten, die Provinz zu verteidigen, als eine größere Unbequemlichkeit hin als irgendeine, die von einem Wechsel des Staates zu erwarten wäre.

Immerhin mäßigte Benjamin Franklin dann sein Urteil und seine Forderungen doch etwas, wobei er aber doch auf die vielen Kriminellen unter den deutschen Einwanderern hinwies:

Dennoch bin nicht dafür, ihnen vollkommen den Zugang zu unseren Kolonien zu verweigern. Alles, was notwendig erscheint, ist, daß man sie gleichmäßiger verteilt, mit den Engländern mischt und englische Schulen errichtet, wo sie zu stark siedeln, und einige Sorge dafür trägt, den Brauch zu unterbinden, auf den in der letzten Zeit einige Schiffseigner verfallen sind, die deutschen Gefängnisse auszuräumen, um die Anzahl der Passagiere zu erhöhen. Ich sage, daß ich nicht gegen die Zulassung von Deutschen im Allgemeinen bin; denn sie haben ihre Tugenden. Ihr Fleiß und ihre Sparsamkeit sind vorbildlich. Sie sind hervorragende Landwirte und tragen sehr zur Verbesserung des Landes bei.

Nunja, das letzte Vierteljahrtausend hat Benjamin Franklin nicht eben recht gegeben. All seine Befürchtungen stellten sich ziemlich gegenstandslos heraus. Auf anderem Gebiet hatte der Gründervater denn auch wirklich eine bessere Hand, Blitzableiter zu finden.

Deshalb Prost, Benjamin, mit einem schönen Bier, egal ob deutsch oder amerikanisch gebraut!

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