Notizen eines Lebemannes

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von Alexander Moszkowski, 1912

Keine Dame ist so langweilig, daß sie nicht zu Zeiten sehr amüsant sein könnte.

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Wenn du von schönen Lippen das Kosewort „Einziger“ hörst, so stelle dir vor, wie sich aus demselben Munde der Aufschrei „Elender!“ anhören wird.

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Die Erfahrung wächst im Verhältnis zur Zeit und die belle fortune proportional zur fortschreitenden Glatze.

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Reserviere dir den Höhepunkt der Leidenschaft auf den Frühling und Sommer; im Winter sind die Blumen zu teuer.

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Bevorzuge in Schweden Blondinen, in Italien Brünetten.

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Die im Auge zerdrückte Träne wirkt besser als ein richtiges Weinen.

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Bei beunruhigtem Gemüte versuche es zuerst mit doppelkohlensaurem Natron. Bleibt die Unruhe bestehen, dann ist es Liebe.

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Renommiere nicht mit Erfolgen; aber feiner Diskretion darf sich Jeder rühmen.

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Sei nicht neugierig nach·Geburtstagen. Du wirst es ohnedies erfahren.

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Wenn du eine neue Bekanntschaft machst, so denke über einen Trennungsgrund nach.

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Für den „Dritten“ liegen in einer glücklichen Ehe die Chancen besser als in einer unglücklichen-

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Nichts schriftlich!

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In der Sommer- und Reisezeit werden ältere Engagements meist sehr lästig. Dem beuge vor: Vom 15. Mai bis Ende September sei immer „beleidigt“.

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Beginne deine Sätze häufig mit dem Wörtchen „leider“; das erleichtert die Beziehungen.

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Am siebenten Tage sollst du ruhen.

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Das beste Archiv ist ein geheizter Ofen.

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Eine Zähre im Auge steht auch dem Manne gut, besonders eine Freudenträne beim Abschied.

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In der Notlage darfst du schwören, daß du treu warst, selbst dann, wenn es wahr ist.

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Brich von Zeit zu Zeit die Schreibtische deiner Freundinnen auf. Es lohnt sich stets und erleichtert die Lösung.

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Miete eine Junggesellenwohnung nur in solchem Hause, in dem ein Zahnarzt oder eine Modistin wohnt. Dort fallen Besuche nicht auf.

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Zwei Worte dürfen in deinem Lexikon nicht vorkommen: Das Wort „unmöglich“ und das Wort „heiraten“.

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Besorge nichts beim Hofjuwelier Friedländer, wo du mit Sarotti auskommst.

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Bilde dich in deinen zahlreichen Mußestunden zum Kunstschätzen aus; das verlängert das menschliche Dasein.

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Animiere die Dame im cabinet particulier nie dazu, den Spiegel zu bekritzeln. Gewöhnlich wird man dabei einen Brillantring los.

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Schwöre das Blaue. vom Himmel. Denn nicht die Richtigkeit, sondern die Häufigkeit begründet den Wert des Eides.

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Hüte dich vor denjenigen Frauen, bei denen man Unglück in der Liebe hat, wenn man erhört wird.

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Wenn du mit einer verheirateten Dame flirtest, vergiß nicht, für ihren Gatten zu schwärmen.

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Bleibe Herr der Situation: Versichere der Brünetten von Zeit zu Zeit, daß blond eigentlich deine Lieblingsfarbe ist.

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Eifersucht gehört zum vieux jeu. Wenn du einen Nebenbuhler hast, so befördere seine Erfolge: er wird sich revanchieren.

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Alles zu seiner Zeit. Bringe in der geschlossenen Droschke das Gespräch nicht auf Plato.

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Sei telephonisch nicht erreichbar.

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