Vermischtes 1890

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Berliner Gerichtszeitung, 1. März 1890

— Wie viel wiegt eine Million Mark in Papiergeld. Infolge einer Wette ist festgestellt worden, daß eine Milllon wiegt: in Tausendmarkscheinen 2 kg. ln Fünfhundertmarkscheinen 3,5 kg, in Hundertmarkscheinen 13 kg, in Fünfzigmarkscheinen 25 kg, in Zwanzigmarkscheinen 46,44 kg, in Fünfmarkscheinen 145 kg.

— Von den „Muster-Hunde-Kolonien“, welche der englische Millionär North sich eingerichtet hat, werden verschiedene Einzelheiten berichtet. Die Wohnungen für die Tiere sind gleich denen reicher Leute eingerichtet, und ein besonderer Arzt wird in einer angrenzenden Villa gehalten, dessen Fürsorge jeder Hund auch beim geringsten Hustenanfall sofort überantwortet wird. Für jeden Hund wird in eigenem Schranke ein Ausgehkleid bereit gehalten, deren billigstes fünf Dollar kostet. Die Hundeküche sorgt für guten Braten, Hammelkeulen vornehmlich, deren Frische durch einen eigens angestellten Beamten, einen „Hundecommis“ (Dogs Clerk) täglich geprüft wird, sowie auch für rohe Beefsteaks bis 20 Pfund Gewicht, Mohrrüben, Zwiebeln, Erdäpfel, bestes Schwarzbrot und Hafermehl. Daraus wird in einem Dampfkochkessel täglich ein Riesenmahl für „meine Gourmands“, wie Oberst North sich zärtlich ausdrückt, hergestellt.

— Zwist im Zarenhause. Dem „Daily Chronicle“ geht von privater Seite aus St. Petersburg die Nachricht zu, daß eine neue Disharmonie zwischen dem Zaren und seinem Bruder, dem Großfürsten Alexis, ausgebrochen ist, weil seine Majestät den Sohn des Großfürsten nicht in die russische Armee eintreten lassen will. Der Großfürst wurde vor etwa 20 Jahren einem Fräulein Thookoffsky heimlich angetraut. Der dieser Ehe entsprossene junge Mann studiert gegenwärtig in Dresden. Der Zar wünscht, daß sein Bruder Alexis eine neue Ehe eingeht; der letztere hängt aber so sehr an seiner ersten Frau, daß er sich weigert, dem Ersuchen des Zaren Folge zu leisten.

— Plötzlich wahnsinnig geworden. In Wicksville, Nebraska, wurde der an der Influenza erkrankte Küster einer dortigen Kirche während des Gottesdienstes plötzlich wahnsinnig und begann, den „Traum des Teufels“ auf der Orgel zu spielen. Darauf stieg er auf den Turm und stürzte fich herab. Er war auf der Stille tot.

— „Komm‘ den Frauen zart entgegen.“ Ein Berichterstatter aus Australien klagt über den Mangel an Galanterie bei den tanzlustigen männlichen Antipoden. Wünscht auf einem Balle ein Jüngling mit einer Dame zu tanzen, so tritt er einfach vor sie hin und sagt: „Lassen Sie mich Ihre Tanzkarte sehen!“ und schreibt kaltlächelnd seinen Namen hinter so viele Tänze, wie sein Herz begehrt, ohne die Dame um ihre Zustimmung zu befragen. Kein Wort der Bitte, keine Silbe des Dankes kommt über seine männlichen Lippen. Er ist sogar sehr geneigt, gereizt und spöttisch zu werden, wenn die junge Dame nicht augenblicklich ihre Tanzkarte findet, sobald er sie verlangt.

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