Pour le mérite

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von Alexander Moszkowski, 1912

An den Freiherrn von Fröhlich.

Ich las in den Zeitungen, daß Sie sich mit der Vermittelung von Orden und Ehrenzeichen befassen. Da ich momentan Bedarf in diesem Artikel habe, so bitte ich Sie um gefl. Übersendung Ihres Tarifs.

Hochachtend

Kommissionsrat C., Varietédirektor.

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Herrn Kommissionsrat C.

Anbei der gewünschte Tarif Besonders gestatte ich mir, auf folgende Dekorationen aufmerksam zu machen, die bei Ihrer gesellschaftlichen Stellung am meisten in Betracht kommen würden: Osmanje-Orden, Großoffizier mit Stern, 10000 Mark; Portugiesischer Christus-Orden 6000 Mark; Venezolanisches Bolivar-Kommandeurkreuz 3000 Mark. Bei Barzahlung 5 Proz. Skonto. Umtausch gestattet.

Ergebenst

Freiherr Von Fröhlich,

Chef des Warenhauses zur Belohnung
wahrer Verdienste.

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An den Freiherrn Von Fröhlich.

Da Venezuela momentan ebenso modern wie beliebt, werde ich mich am ehesten für Bolivar entscheiden. Bemerke dazu, daß ich den Orden nicht für mich selbst zu erwerben wünsche, sondern für eine mir befreundete Persönlichkeit, die sich durch hohe Intelligenz wie gute Manieren auszeichnet und vielfach in der Öffentlichkeit mit Ehren genannt wurde. Falls dies, wie ich hoffe, angängig, ersuche ich um Übersendung des Ordens, nach dessen Empfang ich Ihnen Scheck über 3000 Mark umgehend zugehen lassen werde.

Kommissionsrat C.

*

Herrn Kommissionsrat C.

Anbei den gewünschten Bolivar. Es wird durchaus nicht verlangt, daß Sie den Orden persönlich anlegen. Sowohl das Statut des Ordens wie auch die Geschäftspraxis meiner eigenen Firma lassen in dieser Hinsicht genügenden Spielraum. Wenn Sie daher Veranlassung haben, das Kommandeurkreuz einer andern verdienstvollen, Ihnen befreundeten Persönlichkeit zu verehren, so liegt dem nichts im Wege. In Erwartung Ihrer umgehenden Scheck-Sendung.

Ergebenst

Freiherr von Fröhlich.

*

An den Freiherrn von Fröhlich.

Unendlich bedaure ich, das Geschäft wieder rückgängig machen zu müssen. Mein junger Freund zeigt sich nämlich gegen die ihm zugedachte Ehrung vollkommen unempfindlich und hat mit dem ihm verliehenen Orden sofort eine Beschäftigung vorgenommen, die ich Ihnen nicht einmal annäherungsweise beschreiben möchte. Ich habe das Kommandeurkreuz natürlich sofort abseifen und blankputzen lassen und sende es Ihnen unversehrt retour. Allem Anschein nach habe ich die Empfänglichkeit und die Bildung meines Freundes ein wenig überschätzt. Ich dachte mir, daß er vor Freude auf den Kronleuchter klettern würde, was er sonst regelmäßig tut, wenn ich ihm eine Liebenswürdigkeit erweise. Aber der „Bolivar“ versagte in dieser Hinsicht vollkommen. Mein junger Freund wehrt sich mit allen vier Händen dagegen, „Kommandeur“ gerufen zu werden, sondern will nach wie vor „Konsul“ heißen, unter welchem Namen er sich unter den menschenähnlichen Schimpansen eine geachtete Stellung erworben hat. So hat jede Menschenähnlichkeit ihre Grenze. Für Sie, geehrter Freiherr, hat ja dieser Refus zum Glück keine unangenehmen Folgen, da Sie das Kleinod in würdigem Zustand zurückempfangen. Sie werden dafür schon einen anderen Affen finden.

Achtungsvoll

Varietédirektor C.

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