Zeitungen und ihre Leser – die Henne und das Ei

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In einem Artikel bei The Upshot (New York Times) diskutiert der Harvard-Ökonom Greg Mankiw die Frage, warum Zeitungen eine politische Tendenz vertreten. Ist es, weil die Eigentümer ihre Zeitungen auf eine bestimmte Linie trimmen und so die Leser indoktrinieren? Oder haben die Leser bereits eine Tendenz und die Zeitungen passen sich ihnen umgekehrt an? Beides könnte der Fall sein.

Greg Mankiw referiert die Ergebnisse des Ökonomen Matthew Gentzkow, der zu einem relativ eindeutigen Ergebnis kommt. Dazu ordnete Gentzkow Zeitungen im politischen Spektrum nach objektiven Kriterien ein, nämlich wie häufig sie bestimmte Schlagworte verwendeten, die typischerweise bei demokratischen oder republikanischen Politikern beliebt sind.

Dann schaute er sich an, wie diese Tendenz mit der Tendenz des Eigentümers zusammenhing, die dieser etwa durch Spenden an die Parteien kundtat:

From their study of newspapers, however, Mr. Gentzkow and Mr. Shapiro, find little evidence to support this hypothesis. After accounting for confounding factors like geographic proximity, they find that two newspapers with the same owner are no more likely to be ideologically similar than two random papers. Moreover, they find no correlation between the political slant of a paper and the owner’s ideology, as judged by political donations.

Dies ist bereits ein erstes Indiz, daß die Wirkung nicht von den Zeitungen zu den Lesern, sondern umgekehrt verläuft. Anhand regionaler Zeitungen stellte sich das folgende heraus:

If a paper serves a liberal community, it is likely to lean left, and if it serves a conservative community, it is likely to lean right. In addition, once its political slant is set, a paper is more likely to be read by households who share its perspective.

Natürlich ist das erst mal nur eine Korrelation, die, wie jeder sofort einwenden könnte, keine Kausalität darstellen muß. Allerdings gab es ein weiteres Ergebnis, das sich ausnutzen ließ:

Religiosity also plays a role in the story, and it helps Mr. Gentzkow and Mr. Shapiro sort out cause and effect. They find that in regions where a high percentage of the population attends church regularly, there are more conservatives, and newspapers have a conservative slant.

Da es nun aber nicht sehr plausibel ist, daß die Zeitungen nicht nur die politische Richtung ihrer Leser formen, sondern sogar deren Gewohnheiten beim Kirchgang (technisch: Instrumentenvariablen), spricht einiges dafür, daß die Wirkung von den Lesern zu den Zeitungen läuft (was vielleicht gelegentliche, aber zusammengenommen relativ wirkungslose Beeinflussungen durch die Eigentümer nicht ausschließen mag).

The bottom line is simple: Media owners generally do not try to mold the population to their own brand of politics. Instead, like other business owners, they maximize profit by giving customers what they want.

Allerdings ergibt sich daraus auch die eher ernüchternde Folgerung, daß die politische Debatte schon von vornherein festgefahren ist, weil jede Seite sich eine eigene „Bubble“ durch ihre Nachfrage schafft, in der sie sich die vorgefaßten Meinungen von den Zeitungen servieren läßt. Ein Phänomen, das auch in Deutschland nicht unbekannt ist.

Mehr im ganzen Artikel: „Media Slant: A Question of Cause and Effect“.

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