Publikums-Joker für Philosophen

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Jorge Arprin hat einen schönen Verriß der Behauptung geschrieben, daß der „Neoliberalismus“ sogar am Fährunglück in Korea schuld gewesen sei:

Ist der Neoliberalismus an allem schuld?

Kleiner Auszug:

[Der südkoreanische Philosoph] Han behauptet: “Die rein profitorientierte Unternehmenspolitik erhöht massiv das Unfallrisiko” [nämlich weil angeblich früher Schiffe schon nach 20 Jahren aus dem Verkehr gezogen worden seinen, jetzt erst nach dreißig]. Diese Behauptung erklärt er aber nicht, er stellt sie einfach in den Raum. Eine Reederei will Profit machen – ist es da nicht viel rationaler, Schiffe zu benutzen, die sicher sind und über lange Zeit Gewinne einfahren, anstatt zu verunglücken? Außerdem bezweifle ich, dass eine Regel, wonach Schiffe nach 20 oder 30 Jahren ausgemustert werden müssen, wirklich die Unfallgefahr senkt. Wahrscheinlich würde man ein Schiff, das in 1 oder 2 Jahren sowieso vom Gesetz her ausgemustert werden muss, erst recht vernachlässigen.

Ein kleines historisches Beispiel zur größeren Sicherheit ist auch die Verstaatlichung der Eisenbahnen in Deutschland ab den 1870er Jahren, vorangetrieben durch Bismarck und attackiert von Eugen Richter. Anders als Philosoph Han meint, kam es danach erst einmal zu auffällig mehr Unfällen, worauf sich diese Karikatur in den „Berliner Wespen“ bezieht:

Nach der Verstaatlichung.

Mehrere Verwundete. Ihr verdammten faulen Schwellen – – !
Die Schwellen. Nehmen Sie sich in Acht, wir sind jetzt im Staatsdienst, machen Sie sich keiner Beamtenbeleidigung schuldig!

Damals redete man allerdings noch nicht vom „Neoliberalismus“, sondern von den bösen „Manchestermännern“, deren Treiben man mit Verstaatlichung ein Ende bereiten wollte. Inhaltlich gibt sich das nichts. Der Schuldige steht von vornherein fest, die Argumente finden sich dann schon.

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