Mit wirtschaftlicher Freiheit gegen Ungleichheit

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In einem Artikel bei „Economic Policies for the 21st Century“ wird ein Artikel des unlängst verstorbenen Wirtschaftsnobelpreisträgers Gary Becker aus dem Jahre 2005 gewürdigt: Gary Becker on Income Inequality.

Was an der gerade durch das Buch von Thomas Piketty wieder befeuerten Diskussion über Ungleichheit auffällt, ist der verengte Fokus. Betrachtet wird zumeist nur die Ungleichheit innerhalb gewisser reicher Länder, die in den letzten Jahrzehnten angestiegen ist. Ob das per se ein „Problem“ ist, würden wir bezweifeln. Eigentlich geht es hier mehr um Befindlichkeiten von sehr Reichen, Reichen und etwas weniger Reichen. Was die Debatte gänzlich absurd macht, ist nämlich die Tatsache, daß die Ungleichheit in der Welt seit Jahrzehnten massiv zurückgegangen ist. Bitter arme Länder wie China und Indien, lange zurückgehalten durch verfehlte Politik, haben zu den reichen Ländern aufgeschlossen. Manche andere Länder wie Südkorea haben diese sogar mittlerweile eingeholt.

Daß die Lage dabei noch besser ist, als es Zahlen für das Bruttosozialprodukt pro Kopf ausweisen, ist eines der Ergebnisse von Gary Beckers Arbeit zusammen mit seinen Koautoren Thomas Philipson und Rodrigo Soares. Sie beziehen nämlich in ihre Betrachtung nicht nur das Einkommensniveau, sondern auch die Lebenserwartung ein. Und letztere ist über das letzte halbe Jahrhundert deutlich angestiegen, insbesondere in armen Ländern:

They found that the poorest 50 percent of countries in their sample had a life expectancy of 41 years in 1960 and 64 years in 2000, an increase of 56 percent. This contributed to an annual growth rate of 4.1 percent in full income. The richest 50 percent of countries saw an increase of 14 percent over that same time period, for a yearly full income growth rate of 2.6 percent.

Die Ursache dafür ist nicht schwer auszumachen: mehr wirtschaftliche Freiheit:

Countries such as Chile, Hong Kong, Malta, Mauritius, and Singapore saw some of the largest per capita economic gains from increased life expectancy. It should come as no surprise that these countries all instituted reforms that respected economic freedom in the second half of the 20th century.

Und natürlich hat auch die Globalisierung etwas damit zu tun:

These statistics also show the benefits of globalization. The world has increasingly opened itself up to trade between countries by lowering import tariffs and negotiating free trade agreements. The humanitarian effects of open borders, in terms of both trade and immigration, should not be overlooked in policy discussions.

Würde man konsequent denken und einmal nicht nur ein Luxusproblem wie die Ungleichheit in reichen Ländern bejammern, dann bliebe für Fans von mehr Gleichheit eigentlich nur die eine Folgerung: mehr wirtschaftliche Freiheit, mehr Globalisierung, offene Grenzen.

Doch da die ganze Diskussion meist von der beabsichtigen Folgerung ausgeht, ist das wohl zu viel der Konsequenz, die man hier abverlangt. Wenn am Ende ein „neoliberales“ Programm herauskommen würde und nicht eine Umverteilungsdiskussion in den reichen Ländern, dann wäre das Thema wohl überhaupt nicht mehr interessant.

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