Sollte Amerika seine Grenzen öffnen?

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Unter diesem Titel fand am 22. April 2014 eine Debatte statt, die von der Reason Foundation veranstaltet wurde. Die Teilnehmer waren dabei Bryan Caplan, Professor an der George Mason Universität und Blogger bei EconLog, Mark Krikorian vom Center for Immigration Studies, einem restriktionistischen Thinktank, sowie Alex Nowrasteh vom Cato Institute. Moderation: Tom Clougherty, Reason Foundation.

Die Eröffnungsstatements sind nun auf YouTube bei ReasonTV eingestellt worden. Hier entwickelt sich eher wenig an Debatte, weil jeder seinen Punkt für sich entwickelt. Mit zweien auf der Ja-Seite (Caplan und Nowrasteh) und nur einem auf der Nein-Seite (Krikorian) sowie einem wohl eher für offene Grenzen wohlwollenden Publikum und Moderator sind die Karten etwas ungleich gemischt.

Wie Bryan Caplan im Nachgang anerkannte, macht Mark Krikorian rhetorisch seine Sache recht gut, auch wenn er den Argumenten von Caplan und Nowrasteh nur wenig entgegensetzt. Vielmehr spielt er seine Bodenständigkeit aus, um die anderen beiden als weltferne Theoretiker dastehen zu lassen. Er hat sich auch recht gut vorbereitet. Abgesehen davon kommen allerdings nur mehr zwischen den Zeilen Behauptungen, jedoch kein frontaler Angriff. Wie Bryan Caplan urteilt, argumentiert er wie ein Anwalt:

Lawyers‘ classic strategy is, „When the facts are against you, argue the law. When the law is against you, argue the facts. When the facts and the law are against you, change the subject.“ Mark argues like a lawyer.

Allerdings läuft damit Bryan Caplan auch mit seinem Versuch etwas ins Leere, die Beweislast Krikorian zuzuschieben.

Das einzig markante Argument von Krikorian ist vielleicht, daß gewisse Städte mit vielen Einwanderern, wie New York und San Francisco, in den USA als weit links gelten und die Vertreter von Immigrantengruppen eine solche politische Ausrichtung unterstützen. Hieraus schließt er, daß mehr Einwanderer zu einer Ausweitung des Wohlfahrtsstaates führen würden. Alex Nowrasteh kann dann allerdings recht gut mit dem Hinweis parieren, daß der Wohlfahrtsstaat in den USA gerade in Phasen von geringer Einwanderung gewachsen ist: in den 1930ern bei Roosevelts „New Deal“ und in den 1960ern bei Johnsons „Great Society“.

Der Abtausch zeigt bis zu einem gewissen Grad, wie schwer es ist, den Fall für offene Grenzen zu vermitteln. Mark Krikorian kann sich zurücklehnen, weil für ihn eine Vielzahl an Argumenten bereits vorgebahnt sind. Er muß sie gar nicht mehr begründen, sondern nur andeuten. Seine Kontrahenten finden sich damit in der Lage, eines nach dem anderen widerlegen zu müssen. Ein skeptischer Betrachter, dem die Argumente von Krikorian geläufig sind, wird dabei vielleicht das eine oder andere Gegenargument anerkennen, sich jedoch schwertun, alle seine vorgefaßten Meinungen auf einmal über Bord zu werfen.

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