Er möchte Herrn Meyer sprechen!

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von Alexander Moszkowski, 1912

Grammophonische Momentaufnahme eines Berliner Telephongesprächs.

Ich möchte gern Herrn Meyer selbst — Hier Neufeld — Ist dort nicht Meyer? — Zum Kreuzdonnerwetter hängen Sie doch ab! — Sind Sie fertig? — Klärchen hat solche Zahnschmerzen und kann nicht kommen. — Sprechen Sie noch? — Ich wollte doch Herrn Meyer — Hier Quadfasel und Kompagnie, Fabrik chemischer Produkte. — Ja, wer redet denn da immer dazwischen? — Sie fragen wegen der Kalilauge, werde gleich den Chef rufen. — Kommerz und Diskonto 119 bezahlt und Geld, Tehuantepek 102 Brief. — Könnte ich nicht Herrn Meyer — Hier Baby-Basar. — Ach, den Witz kannten Sie schon? Ist aber gut, nicht wahr? — Ist dort nicht Herr Meyer? — Ich habe Ihnen schon vorhin gesagt, telephonische Bestellungen werden nicht angenommen, Sie müssen sich an die Theaterkasse bemühen. — Was geht mich denn Ihr Theater an, ich wollte doch Herrn Meyer — Hat sich das Amt gemeldet? — Aber, Fräulein, lassen Sie doch verbunden, — Sie werden von Frankfurt verlangt, bleiben Sie am Apparat. — Ist denn keine Möglichkeit, Herrn Meyer — Hier Militär-Arrestanstalt, Herr Major, der Gefangene ist noch nicht abgeliefert. — Allmächtiger, wer ist denn gefangen? — Also pünktlich 5 Uhr 50 Anhalter Bahnhof. — Ist die Schneiderin noch bei Ihnen? — Exzellenz lassen vielmals danken. — Der letzte Akt war oberfaul, Kätchen ist beinahe eingeschlafen. — Sprechen Sie noch? — Vielleicht könnte ich doch Herrn Meyer — Emmy badet gerade, vielleicht in einer kleinen Viertelstunde. — Siebzehn null null fünf. —- Hier Feuerwehrhauptwache, der Löschzug ist unterwegs. — Herrjeh, ’s brennt ja gar nicht. — Nu, Sie sagten doch immerzu, es brennt Ihnen mit Herrn Meyer. — Dachpappenfabrik von Schnase und Klömp, der Lehrling hat das vorhin verquatscht. — Ce soit impossible, il y a quelqu’un, comprends-tu mon amour? — Was will denn die, um Gottes willen, ich möchte doch endlich Herrn Meyer — kkr — ppff — chll — kkrr — kkrrr — kkkrrr — kkkrrr — — — Sprechen Sie noch?

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