Ehren-Stöcker

Dieser Artikel wurde 1702 mal gelesen.

Der Reichsfreund, 6. März 1890

Stöcker’s Volk ist das einzige konservative Blatt, welches Jubelgesänge anstimmt. Freilich die Antisemiten haben, als Partei für sich betrachtet, Grund genug zum Jubel. Böckel ist wiedergewählt, Liebermann von Sonnenberg kommt endlich auch in das Parlament und mit Hilfe der Nationalliberalen und Konservativen die Antisemiten Zimmermann und Werner und endlich der letzte und größte, unser Stöcker ist wieder da. Wie 1884 und 1887 traten die Nationalliberalen Mann für Mann für ihn ein. In einer Reihe von Wahlkreisen haben die Nationalliberalen in schmählichen Flugblättern Judenhetze getrieben und auf diese Weise ein paar Mandate behalten, die sonst auch verloren gewesen wären. Besonders bezeichnend für die saubere Gründung Ehren-Stöckers und seiner Vertrauten ist es, daß das „Volk“ genau weiß, wem die Freisinnigen den Sieg in der Ostpriegnitz zu verdanken haben — der Auswahl des Gegenkandidaten, des freikonservativen Abgeordneten Arendt, der unter landrätlichem Schutz den Kreis bereiste, aber nirgends Liebe fand. Die Freisinnigen, meint das „Volk“, hätten den Sieg schon errungen gehabt, als sie einen eingesessenen Bauern dem unbekannten Freikonservativen jüdischer Abstammung entgegensetzten, die Bauern hätte „den fremden Juden mit der krummen Nase“ nicht wählen wollen. Eine solche Undankbarkeit gegen den unermüdlichen Vorkämpfer für die Doppelwährung, für welcher sich doch so viele Bauernversammlungen unter Führung der agrarischen Junker erklärt haben!

Siehe auch:

Dieser Beitrag wurde unter 1890, Antisemitismus, Deutsch-Freisinnige Partei, Geschichte, Konservative, Nationalliberale, Wahlen, Währung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar