Wird Bismarck zurücktreten?

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Neue Freie Presse, Wien, 14. März 1890

In einem Berliner Briefe der Magdeburger Zeitung wird mit Bezug auf die Kanzler-Krise bemerkt, das Geheimniß werde sehr gut gewahrt, und auch in sonst bestunterrichteten Kreisen höre man nur die Versicherung, daß man die näheren Verhältnisse nicht kenne. Eine Aenderung der Gesammtverhältnisse im Reiche und in Preußen sei wol über kurz oder lang unausbleiblich; festhalten könne man vorläufig mit einiger Sicherheit, daß der Kanzler mindestens so lange in seinen bisherigen Befugnissen verbleibt, als die von ihm gebilligte und durch ihn, als den auswärtigen Minister, eingeladene internationale Arbeiterschutz-Conferenz in Berlin versammelt sein wird. An sie schließt sich die Reichstagssession, und vor deren Beginn dürfe man vielleicht eine Klärung der Verhältnisse erwarten. Die fast täglich zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Bismarck stattfindenden, langen Verhandlungen, wie sie in dieser Häufigkeit und Ausdehnung früher wol niemals vorgekommen, seien ein genügender Beweis, daß die Dinge im Flusse sind und daß man eine Entscheidung, sei es auch vielleicht erst nur eine vorläufige, in naher Zukunft zu erwarten hat.

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