Prozeß um ein Komma und Amor auf dem Lande

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Berliner Gerichtszeitung, 15. März 1890

— Prozeß um ein Komma. Ein Kaufmann hatte, wie aus München berichtet wird, einem Kunden 200 Mk. Entschädigung zugesichert für den Fall, daß dieser auf den bestellten, bereits zur Abfahrt am Bahnhof bereiten Waggon Zwetschen verzichten würde. Als Antwort erhielt er darauf von dem Kunden das kommalose Telegramm: Acceptiere nicht ablassen.“ Der Kaufmann, welcher die Zwetschen anderweitig besser verwerten konnte, ersah in dem Telegramm die Annahme der 200 Mk. und die Ordre zum Nichtablassen des Waggons. Anders jedoch will es der Absender gemeint haben, und nun ist zwischen beiden an einer fränkischen Handelskammer ein Prozeß ob des Kommas anhängig.

— Amor auf dem Lande. Ein Besitzer bietet seine Tochter Anna-Marie, die bereits das ehrwürdige Alter von 45 Jahren erreicht hat, einem andern, der bedeutend jünger ist, an, findet bei diesem doch kein williges Ohr, obwohl er ihm 1000 Thaler Mitgift verspricht. Der Besitzer läßt sich jedoch dadurch nicht beirren und spricht: „Wi hewe e Schwin schlacht; ick göw Di noch dat half Schwin!“ Aber „Ne, ick dhot ne,“ war die hartnäckige Antwort. Schließlich bietet der Besitzer noch „e Pott Schmolt von det Schwin.“ Das wirkte, und „No, her mit dem Pott, Vodder, ick schlo in!“ war die Antwort, und der Handel war gemacht!

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