Reichstagswahl 1881 – Zeitstrahl

 

3. Januar 1878 – „Eiskeller-Versammlung“

5. Januar 1878 – Gründung der Christlich-Sozialen Arbeiterpartei

15. November 1879 – Veröffentlichung von „Unsere Aussichten“ in den Preußischen Jahrbüchern durch Heinrich von Treitschke

29. Dezember 1879 (andere Datierung Februar 1880) – Kronprinz Friedrich Wilhelm bezeichnet den Antisemitismus als „eine Schmach für Deutschland“

27. April 1880 – Ablehnung der „Samoa-Vorlage“ im Reichstag durch Fortschrittspartei, linken Flügel der Nationalliberalen, Sozialdemokraten und Vertreter anderer Parteien, nach der eine verkrachte Kolonialgesellschaft vom Deutschen Reich gerettet werden sollte

25. Mai 1880 – der Kandidat der Deutschen Fortschrittspartei Philipp Schwarzenberg gewinnt die Ersatzwahl in Kassel

1. Juli 1880 – der Kandidat der Deutschen Fortschrittspartei Ed gewinnt die Ersatzwahl in Lübeck

28. August 1880 – Abspaltung des linken Flügels der Nationalliberalen als „Liberale Vereinigung (auch „Sezession“ oder „Sezessionisten“)

Ab Herbst 1880 – Unterschriftensammlung für die Antisemitenpetition beginnt, vgl. Eugen Richter: Im Alten Reichstag, Band 2, Berliner Wespen, 10. Dezember 1880

8. November 1880 – „Kantorowicz-Affäre“

11. November 1880 – Die Berliner Stadtverordnetenversammlung erklärt Lehrer, die sich an der antisemitischen Bewegung beteiligen oder sogar die Antisemitenpetition unterzeichnet haben, als nicht „auf der sittlichen Höhe stehend, um ihr Amt als Lehrer unparteiisch und zum Segen der ihnen anvertrauten Zöglinge ausüben zu können“.

12. November 1880 – Notabeln-Erklärung

13. und 14. November 1880 – Veröffentlichung der Notabeln-Erklärung in den Zeitungen

14. November 1880 – Kronprinz Friedrich Wilhelm und Kronprinzessin Viktoria besuchen in Wiesbaden „ein synagoges Konzert, … um nach Möglichkeit zu zeigen wie wir gesonnen sind.“

20. und 22. November 1880 – Debatte über die Interpellation Hänel im Preußischen Abgeordnetenhaus: Rede von Eugen Richter, offiziöse Darstellung in der Provinzial-Correspondenz vom 24. November 1880

17. Dezember 1880 – Reichshallenrede von Ernst Henrici

30. Dezember 1880 – Rede von Ernst Henrici in der Bock-Brauerei

31. Dezember 1880/ 1. Januar 1881 – Krawall vor dem Café Bauer Unter den Linden, Bericht der Berliner Gerichtszeitung vom 4. Januar 1881, Eugen Richter: Im Alten Reichstag, Band 2

Januar 1881 – Veröffentlichung von Wilhelm Revel [d. i. Wilhelm Hasenclever]: Der Wahrheit die Ehre. Ein Beitrag zur Judenfrage in Deutschland.

1. Januar 1881 – Johannes Ronge: Neujahr 1881 : Send-Schreiben an Herrn Dr. Förster und die anderen Mitglieder des Antisemiten-Komitees

4. Januar 1881 – Entlassung von Ernst Henrici aus dem Schuldienst wegen antisemitischer Agitation

9. Januar 1881 – Der Sozialdemokrat: Die Verjudung des Deutschen Reiches

11. Januar 1881 – Versammlung gegen die Antisemiten in den Reichshallen

12. Januar 1881 – Versammlung der Wahlmänner Berlins in den Reichshallen: Rede von Eugen Richter

13. Januar 1881 – Rede von Ernst Henrici: Was ist der Kern der Judenfrage?

14. Januar 1881 – Kronprinz Friedrich Wilhelm wiederholt und verschärft seine Verurteilung der antisemitischen Bewegung

15. Januar 1881 – Veröffentlichung der Worte des Kronprinzen in den Zeitungen

16. Januar 1881 – Johannes Ronge: Offenes Sendschreiben von Johannes Ronge an die Herren Konsistorialräthe: Ebrand in Erlangen, v. Otto in Eisenberg, Hofprediger Stöcker, Superintendent Hechzermaier in Bielefel, Pfarrvikar Stromberger in Biebesheim (Hessen) und an die andern fünf Geistlichen Mitglieder des Antisemiten-Comités

10. Februar 1881 – Rede von Ernst Henrici in Dresden (veröffentlicht als „Toleranz und nationale Ehre“), siehe dazu „Der Reichskanzler ermuntert die Antisemiten“ in Eugen Richter: Aus dem Alten Reichstag“, Band 2.

11. Februar 1881 – Debatte im Preußischen Abgeordnetenhaus mit Schlagabtausch zwischen Ludwig Löwe, Adolph Stöcker und Albert Hänel

13. und 14. Februar 1881 – Reden von Ernst Henrici in Neustettin

17. Februar 1881 – Rede von Ernst Henrici in Berlin: Wie hat sich die Bevölkerung Berlins bei den bevorstehenden Reichstagswahlen zu verhalten?

18. Februar 1881 – Brand der Synagoge in Neustettin, vgl. „Der Neustettiner Synagogenbrand-Prozeß“ in Leopold Auerbach: Das Judenthum und seine Bekenner, 1890

27. Februar 1881 – Großbritannien verliert die Schlacht am Majuba Hill gegen die Buren, Ende des Ersten Burenkriegs

11. März 1881 – Gründung der „Sozialen Reichspartei“ durch Ernst Henrici 

13. März 1881 – Attentat auf Zar Alexander II.

1. April 1881 – Große Feste der Konservativen in Berlin zur Feier des Geburtstags von Reichskanzler Bismarck

2. April 1881 – Eugen Richter im Reichstag zu den Telegrammen der Antisemiten an Bismarck und dessen Antworten

3. April 1881 – Bismarck unterstützt Puttkamers wohlwollende Haltung gegenüber den antisemitischen Studenten im preußischen Staatsministerium: Protokolle des Preußischen Staatsministeriums, Band 7, Seite 80

7. April 1881 – Antisemiten sprengen eine Veranstaltung des fortschrittlichen Abgeordneten Kurt von Saucken-Tarputschen im 3. Berliner Wahlkreis

8. April 1881 – Rede Eugen Richters im 4. Berliner Wahlkreis: Der Reichskanzler und die Stadt Berlin

13. April 1881 – Überreichung der Antisemitenpetition, vgl. Eugen Richter: Im Alten Reichstag, Band 2

13. April 1881 – Preußisches Staatsministerium gegen rechtliche Diskriminierung von Nichtchristen in der Pommerschen Landschaft: Protokolle des Preußischen Staatsministeriums, Band 7, Seite 81

15./16. April 1881 – Pogrom in Jelisawetgrad (heutiges Kirowohrad in der Ukraine)

26. bis 28. April 1881 – Pogrom in Kiew

3. bis 6. Mai 1881 – Landung von französischen Truppen in Bizerta, Tunesien

12. Mai 1881 – Bardo-Vertrag zwischen der französischen Republik und dem tunesischen Bey Muhammad III. al-Hussain, mit dem Tunesien zu einem Protektorat wird (bis 1956)

22. Mai 1881 – Bismarck gegen Einwanderung von Juden, Puttkamer gegen Naturalisierung: Protokolle des Preußischen Staatsministeriums, Band 7, Seite 85

3. Juni 1881 – Aufruf von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zur Unterstützung der verfolgten Juden in Rußland, Bericht der Allgemeinen Zeitung des Judenthums

6. Juni 1881 – Rede des fortschrittlichen Abgeordneten Günther im 6. Berliner Wahlkreis, Bericht der Allgemeinen Zeitung des Judenthums

Ab 10. Juni 1881 – Aufstand im Süden von Tunesien und der Stadt Sfax gegen die französische Besatzung

11. Juni 1881 – Rede von Ernst Henrici in Breslau (Schießwerder-Saal) vor 5000 Zuhörern

13. Juni 1881 – Konservative Schalscha und Minnigerode kritisieren den Handelsvertrag mit Rumänien, weil dorthin Juden aus Rußland auswandern, die nach Deutschland kommen könnten, die Gegenposition vertreten Eduard Lasker und Eugen Richter

15. Juni 1881 – Letzte Sitzung der 4. Legislaturperiode des Deutschen Reichstags

17. Juni 1881 – Bericht der Vossischen Zeitung aus Madrid, daß der spanische König 60.000 Juden aus Rußland die Einwanderung nach Spanien anbietet, vgl. Artikel in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, 5. Juli 1881

17. Juni 1881 – Feier zum 20jährigen Gründungstag der Deutschen Fortschrittspartei auf Tivoli mit 12.000 Besuchern

22. Juni 1881 – Rede Eugen Richters in Moabit

22. Juni 1881 – Großer Komet von 1881 sichtbar in der nördlichen Hemisphäre

25. Juni 1881 – Rede von Ernst Henrici in Bärwalde (Hinterpommern)

25. Juni 1881 – Bismarcks Sohn Graf Wilhelm Bismarck („Bill“) „steigt zum Volke herab“

26. Juni 1881 – Reden von Ernst Henrici in Neustettin und in Ratzebuhr

27. Juni 1881 – Prager Handelskammerwahl mit massivem Druck von tschechischen Nationalisten, Bericht der Neuen Freien Presse, 28. Juni 1881

27. Juni 1881 – Huldigungstelegramm antisemitischer Studenten an Bismarck und freundliche Antwort von diesem, vgl. Bericht der Neuen Freien Presse aus Wien, 28. Juni 1881, Eugen Richter, Im Alten Reichstag, Band 2, Kapitel “Der Reichskanzler ermuntert die Antisemiten”

29. Juni 1881 – Die halbamtliche „Provinzial-Correspondenz“ attackiert in einem Artikel „Treue gegen den König“ die Fortschrittspartei als Feinde des Königs

30. Juni 1881 – Nachdruck von Auszügen aus Marx‘ „Zur Judenfrage“ in „Der Sozialdemokrat“, erster Teil

Ende Juni 1881 – Ausschreitungen gegen italienische Einwanderer in Marseille

Ab Ende Juni 1881 – Verhängung des „kleinen Belagerungszustandes“ über Leipzig nach dem Sozialistengesetz, Ausweisung der Parteiführer Bebel, Liebknecht und Hasenclever sowie von weiteren hundert Sozialdemokraten, vgl. Bericht der Berliner Gerichtszeitung, 2. Juli 1881, Berliner Wespen, 6. Juli 1881

Anfang Juli 1881 – Ausschreitungen gegen Deutsche durch tschechische Nationalisten, vgl. Bericht der Berliner Gerichtszeitung vom 7. Juli 1881

1. Juli 1881 – Rede Eugen Richters im Verein „Waldeck“ gegen Graf Wilhelm Bismarck, Bericht der Neuen Freien Presse, Wien, 5. Juli 1881

2. Juli 1881 – Attentat auf den amerikanischen Präsidenten James Garfield (er verstirbt am 19. September 1881)

6. Juli 1881 – Attacken der offiziösen „Provinzial-Correspondenz“ auf die Fortschrittspartei, vgl. „Der Respekt vor dem kirchlichen Glauben“, „Der Kampf gegen die Fortschrittspartei“

7. Juli 1881 – Nachdruck von Auszügen aus Marx‘ „Zur Judenfrage“ in „Der Sozialdemokrat“, zweiter Teil

16. Juli 1881 – Nach Bombardierung der Stadt marschieren französische Truppen in Sfax/ Tunesien ein

17./18. Juli 1881 – Antisemitische Ausschreitungen in Neustettin und Umgebung

30. Juli 1881 – Ende der Wahlperiode

15. August 1881 – Terminierung der Reichstagswahlen: Protokolle des Preußischen Staatsministeriums, Band 7, Seite 89

30. August 1881 – Prozeß gegen Kantorowicz

9. September 1881 – Wahlaufruf des Zentrums

15. September 1881 – Wahlaufruf der Nationalliberalen

18. Oktober 1881 – Großes Volksfest der Konservativen in Berlin mit 60.000 Besuchern

27. Oktober 1881 – Reichstagswahl: Bericht der Berliner Gerichtszeitung vom 27. Oktober 1881, Bericht der Berliner Gerichtszeitung vom 29. Oktober 1881, Eugen Richter: Unser Siegestag

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