Wilhelm Revel [d. i. Wilhelm Hasenclever]: Der Wahrheit die Ehre

Der Wahrheit die Ehre

Ein Beitrag zur Judenfrage in Deutschland

1881

I.

Gleiches Recht, gleiche Gesetze für Jedermann im Reiche! Das ist die Parole, von der ein freisinniges Blatt bei Besprechung religiöser, sozialer oder politischer Fragen immer geleitet werden muß — und diese Parole soll auch uns bei der Besprechung der in Deutschland brennend, nämlich scheinbar brennend, gewordenen Judenfrage leiten. Wir nennen die Frage „scheinbar brennend“. Denn was ist eigentlich geschehen, wodurch eine derartige Aufregung hervorgebracht worden ist, daß sich selbst das preußische Abgeordnetenhaus in zwei langen, erregten Sitzungen mit der Judenfrage beschäftigte? Sind einige Dutzend Juden totgeschlagen worden von den Orthodoxen, oder ist bei dem Bundesrate ein Antrag eingereicht worden, ein Ausnahmegesetz zu erlassen, aufgrund dessen jeder Jude, der nicht Lust hat, ein „ehrsames“, aber unlohnendes Handwerk zu ergreifen, ausgewiesen werden kann? Von alledem ist nichts passiert.

Was ist denn nun eigentlich geschehen, daß man im ganzen deutschen Reiche von nichts anderem mehr spricht, als von der Judenfrage? Antwort: Ein Hofprediger hat in Berlin und einigen anderen Orten Deutschlands verschiedene Versammlungen abgehalten, in denen er gegen die Juden hetzte, und zwar in vielfach höchst unverantwortlicher Weise. Doch auch manches, was der Herr Hofprediger bei diesen Hetzereien zutage förderte, hat seine Berechtigung, wie dies im preußischen Landtage selbst von den enragiertester Judenfreunden anerkannt wurde.

Ferner hat sich in Berlin eine Antisemitenliga gebildet, welche aus christlich-germanischen Jünglingen besteht und sich besonders gegen den durch dieJuden betriebenen Wucher wendet. Dann ist eine Petition zur gesetzlichen Einschränkung des Judentums an den Reichskanzler gerichtet worden. Das ist alles, was von der einen Seite in Szene gesetzt wurde, aber alles dies ist in Deutschland immer schon geschehen, wenn auch in etwas verhüllterer Form und weniger organisiert. Ja, es hat selbst nach 1848 eine Zeit gegeben, in der die Judenhetze viel energischer betrieben wurde, als jetzt — wir meinen die Jahre von 1852-1859, die Jahre der Reaktion.

Was ist nun von seiten der Semiten und derjenigen geschehen, welche sich „liberal“ nennen und den Juden zugetan sind? Zunächst wurde versucht, Herrn Stocker in den von ihm einberufenen Versammlungen mit Worten zu bekämpfen — doch kamen bei diesen Versuchen von beiden Seiten meist nur Verbalinjurien  (Beleidigungen durch Worte) zutage. Aber immer blieben die Christlich-Sozialen und Antisemiten Sieger, entweder, weil sie das Schimpfen noch besser verstanden als die Liberalen, oder aber, weil das zuhörende Volk, welches von den Liberalen allzu lange genasführt worden, diesen gar nichts mehr glaubte und es nun mal mit Stöckern probieren wollte. Nur einmal ist unseres Wissens in einer christlichsozialen Versammlung zu Berlin halb und halb der Sieg von liberalen Elementen erkämpft worden, und zwar durch einen Realschuloberlehrer aus Bremen oder Oldenburg. Doch tat sich der Mann sofort wieder dadurch Schaden, daß er die unter der Leitung des Dr. Max Hirsch stehenden Gewerkvereine allzusehr verhimmelte und dadurch die anwesenden unparteilichen Arbeiter vor den Kopf stieß.

Als man einsah, daß mit den gegenseitigen Verbalinjurien, die übrigens niemandem als den betreffenden Herren geschadet haben, nicht viel ausgerichtet wurde, da griff man, wenigstens einzeln, zu Realinjurien (Beleidigungen durch Tätlichkeiten). Bekannt waren nur drei Fälle: 1) eine Omnibusaffaire in Berlin, bei der ein Jude einem christlich-germanischen Gymnasialoberlehrer eine Backpfeife gab, 2) eine Wirtshauskeilerei in Leipzig, bei welcher ein christlich-germanischer Buchhandler (Verleger des ,Daheim‘) einem jüdischen Kaufmann Bier ins Gesicht goß, wofür der Buchhändler eine Ohrfeige erhalten haben soll, und 3) ein Duell in Hanau, wo ein christlich-germanischer Offizier von einem jüdischen Reserveunteroffizier schwer verwundet wurde. Aus diesen Kleinigkeiten, die ja unter den Germanen selbst täglich vorkommen, entstanden lange gehässige Zeitungsartikel, in welchen sich die Gegner wieder an Schimpfereien überboten — wer die Palme errungen, die christlich-germanischen oder die jüdischen Hetzblätter, das ist nicht ausgemacht. Der jüdische ,Berliner Börsen-Courier“‘ hat zum mindesten um dieselbe gerungen mit der Kratt und Ausdauer, die einer besseren Sache würdig gewesen wären, doch soll ihm die ,Deutsche Landeszeitung‘ nicht viel nachgegeben haben.

Als Antwort auf die oben erwähnte Petition und auf einen sie begleitenden, allerdings gehässigen Aufruf gegen die Juden, erließen einige Dutzend bekannter Berliner Persönlichkeiten, der Oberbürgermeister an der Spitze, eine Erklärung, welche Duldung für die Juden forderte und die Behauptung aufstellte, daß „nach Vorschrift des Gesetzes und der Ehre alle Deutschen an Rechten und Pflichten gleich sind“.  Aber nicht genug damit: die Fortschrittspartei stellte im preußischen Abgeordnetenhause eine Interpellation an die Regierung, wie sich diese zu der besagten Petition zu stellen gedenke. Alle Parteien, die liberalen sowohl wie die klerikal-konservativen, waren mit der Antwort zufrieden. Die Debatte nahm, wie schon gesagt, zwei Sitzungen in Anspruch, und beide gegnerische Parteien erklärten, Sieger im Zungenkampf geblieben zu sein. Komplimente recht zarter Art regnete es auf beiden Seiten, nämlich Komplimente, wie sie sich nach dem unsterblichen Homer die Achaischen und Troischen Helden vor dem blutigen Zweikampfe zum besten gaben.

Nach diesen Debatten trat in dem Kampfe für und gegen Judäa eine verhältnismäßige Ruhe ein, die Kämpfer im Parlament hatten ihrem Herzen durch volltönende Phrasen Luft gemacht, das Volk muß diese Phrasen nie in Ruhe verdauen, und so können wir recht objektiv die in diesem Artikel angedeuteten Tatsachen in einer Reihe von weiteren Artikeln näher besprechen.

II.

Wir nennen diese Artikel „Ein Beitrag zur Judenfrage in Deutschland“. Man kann fragen: warum nicht einfach „Zur Judenfrage“.

Eine allgemeine Judenfrage gibt es eben nicht; immer in einzelnen Ländern tritt eine Anti-Judenbewegung auf und zwar meist in noch nicht völlig kultivierten. Aber Deutschland? Das große stolze Deutschland marschiert doch an der Spitze der Zivilisation? Diese Frage kann kaum ernstlich bejaht werden. Die Kriegskunst steht in Deutschland in Flor, und  — wir geben es gem und freudig zu — die abstrakten Wissenschaften unbedingt, die konkreten zum Teil. Auch sind unsere allgemeinen Literaturzustande solche, die sich kühnlich mit denen der höchst kultivierten Nationen messen können. Dann sind zwar die Anschauungen von Recht und Unrecht in Deutschland momentan getrübt durch die jetzt herrschende Richtung, aber sie sind im ganzen genommen der Zivilisationhöhe der jetzigen Zeit entsprechend — und so machen wir allerdings Anspruch auf den Titel eines vorgeschrittenen Kulturstaats. Aber die angedeuteten Vorzüge bedingen doch noch immer nicht, daß Deutschland an der Spitze der Zivilisation marschiert oder auch nur zu den ersten Kulturvölkern gehört. Das wirtschaftliche Leben ist z. B. in England und Frankreich bedeutend entwickelter, als bei uns; in den Künsten der Technik, im Geschmack bezüglich der Industrieprodukte sind uns jene Länder weit voraus, und man mag sich dagegen vom idealen Standpunkte sträuben, so viel man will das wirtschaftliche Leben bestimmt in der Jetztzeit vorzugsweise die Kulturhöhe der Nationen. In den Ländern aber, die noch nicht auf wirtschaftlicher Höhe, d. h. auf einer bestimmten Gesamtkulturhöhe sich noch nicht befinden, gibt es eine Judenfrage, vorausgesetzt natürlich, daß es Juden in dem betreffenden Lande gibt.

In Rußland, in Rumänien, in den slawischen Ländern überhaupt, ist die Judenverfolgung eine permanente Erscheinung , und trotzdem wandern die Juden nicht aus nach den gesegneteren Ländern der Freiheit und Zivilisation. Sie fühlen sich trotz der Verfolgung wohl, da sie es im Kampfe um den Erwerb mit einer weniger intelligenten Bevölkerung zu tun haben, als beispielsweise in den wirtschaftlich hochentwickelten Staaten Frankreich, England, Nordamerika.

In Europa beträgt die Zahl der Juden nicht ganz 5 Millionen, von denen auf die slawischen Länder über 4 Millionen, auf die germanischen circa 850.000 und auf die romanischen nur 90.000 kommen. Vergleichen wir Deutschland und Frankreich, so finden wir im letzteren Land circa 60.000 und im ersteren (nach der Volkszählung von 1871) 512.153 Juden. — Dabei ist uns aufgefallen, daß die sonst so verständige ,Vossische Zeitung‘, die aber in der Judenfrage fanatisch Partei für die Juden ergreift, in einem Leitartikel „Kulturkampf und Judenhetze“ die Zahl der Juden im deutschen Reiche auf nur 400.000 angibt, daß sie ferner behauptet, daß, mit Ausnahme einiger kleiner Städtchen in Posen, in Berlin die Juden am stärksten vertreten und daß dennoch ihrer nur 4 Prozent seien.

Wenn irgendein Vertreter der antisemitischen Richtung eine bewußte oder unbewußte Fälschung begangen, wie dies Herrn Stöcker passiert mit welch’ grausamer Eile fallen dann die liberalen Blatter über ihn her, um die „Fälschung“ festzunageln. Aber gerade solche Blätter sollten sich selbst der unbedingten Wahrheitsliebe befleißigen und nicht, wie die ,Vossische Zeitung‘, im Verfechtungseifer und um die Juden als recht ungefährlich hinzustellen, ebenfalls Fälschungen begehen. Ein so bedeutendes Blatt aber, wie die ,Vossische‘ es ist, kann sich nicht gut bei einer derartigen Frage mit Unkenntnis entschuldigen. Wir haben oben schon gezeigt, daß die Zahl der Juden im deutschen Reiche um 112.000 gr6Ber ist, als sie die ,Vossische Zeitung‘ angibt. In Frankfurt a. M. gibt es 9 Prozent, in Fürth über 6, in Breslau gegen 6 und in Berlin circa 5 Prozent Juden — also ist auch die Angabe bezüglich des Prozentsatzes in Berlin unrichtig, und ferner sieht man, daß es noch verschiedene Städte in Deutschland gibt, in denen die Prozentziffer größer ist, als in Berlin. Wir haben diese Zahlen nicht allein deshalb angeführt, um zu zeigen, wie leichtsinnig auch die Liberalen in der Judenfrage die Waffen führen, sondern hauptsächlich deshalb, um einen bislang in dem Streite wenig berührten Faktor hier vorzuführen.

Trotzdem in Fürth und in Frankfurt a. M. der Prozentsatz der Juden größer ist, als in Berlin und Breslau, sind doch die beiden ersteren Städte von der Judenhetze weniger berührt als die letzteren, obgleich die süddeutsche Bevölkerung im allgemeinen sich noch leichter gegen mißliebige Elemente aufstacheln läßt, als die norddeutsche. Welcher Grund mag für die Erscheinung maßgebend sein? Die Juden, welche in Frankreich, Italien, Holland, England, Belgien und am Rheine und im Südwesten Deutschlands wohnen, haben eine andere Kulzurerziehung genossen, als die im Osten Deutschlands, in Österreich und den slawischen Landem wohnenden, die ersteren haben die reiche Kulturgeschichte jener hochentwickelten Gegenden Jahrhunderte hindurch mitgemacht, während die Juden im Osten Deutschlands und Österreichs, die aus den slawischen Völkern stammen, und selbstverständlich auch die in den Slavenlandern selbst wohnhaften Juden, keine Kulturgeschichte mitgemacht, sich vielmehr all die Ungezogenheiten der slawischen Rasse angeeignet haben.

Man nennt die ersteren die portugiesischen Juden, aus denen sich Lessing seinen Nathan und Gutzkow seinen Uriel gewählt haben, während die im Osten Europas wohnenden schlechtweg die polnischen Juden genannt werden — und letztere sind beim Volke, welches den Unterschied instinktiv ahnt, schlechter angeschrieben. Auch Professor von Treitschke, der sonst nicht unsere Sympathien besitzt, macht auf diesen Unterschied aufmerksam. Professor Virchow aber, der im preußischen Abgeordnetenhause mit besonderem Nachdruck darauf betonte, daß gerade in Holland, wo viele Juden wohnen, das Verhältnis derselben zu der übrigen Bevölkerung ein ungetrübtes sei, hätte wissen müssen, daß der holländische Jude eine bessere Kulturerziehung genossen hat, als der Berliner und Breslauer Jude.

Nun ist es ja selbstverständlich, daß auch im Osten Deutschlands, in Breslau, Berlin und Königsberg, Judenfamilien existieren, welche entweder aus dem Westen dorthin übergesiedelt sind, oder aber schon Jahrhunderte hindurch an diesen Stätten der lntelligenz gewohnt und somit gleichfalls ein großes Stück Kulturleben mit durchgemacht haben, Daß aus solchen Familien edle Sprößllinge, Männer der Kunst und Wissenschaft entsprungen sind, wissen wir, und so dehnt sich der Unterschied der westlichen und östlichen Juden Europas auf diese nicht aus.

Aber im allgemeinen muß man den Unterschied festhalten. Dann aber kommt noch ein sehr gewichtiges Moment hinzu. Die Juden finden in den Ländern und Gegenden, die auf der Höhe der wirtschaftlichen Kultur stehen, ebenbürtige Streiter in dem Kampfe um den Erwerb. Deshalb haben sie sich vielfach untergeordnet oder doch gleichgeordnet, wahrend die Juden des Ostens durchweg die Konkurrenz im Erwerbskampfe beherrschen, da sie keine ebenbürtigen Gegner finden und deshalb zum Übermut, zur Spottsucht, ja zur Herrschsucht allzu sehr gereizt werden. Ihre Schlauheit läßt diese Eigenschaften zwar nicht so sehr hervortreten, aber selbst bei den Versuchen, sie nicht kenntlich werden zu lassen, erkennt man sie.

So sehen wir, daß da, wo der schlaue semitische Stamm die Erwerbsverhältnisse, und zwar wegen seiner relativ großen Zahl und der geringen Intelligenz der übrigen Bevölkerung, beherrschen kann, die Judenfrage existiert, dort aber, wo dies weniger oder gar nicht der Fall ist, wie in Amerika, England und Frankreich, eine Judenfrage gänzlich unbekannt ist. Diese Erkenntnis ist der beste Fingerzeig bei der Erörterung der Judenfrage.

III.

Gehen wir nun dazu über, die einzelnen Tatsachen, die in letzter Zeit bezüglich der Judenfrage zutage getreten sind und die wir in unserem ersten Artikel registriert haben, näher zu beleuchten, nachdem wir im vorigen Artikel die Grundlage zu objektiven Anschauungen gegeben.

Stöcker hat gehetztl Und dadurch die „unverständigen Massen“, besonders in Berlin, gegen die besitzenden Klassen zu Feindseligkeiten aufgereizt. Das Strafgesetzbuch kennt keinen Paragraphen, der dies verbietet — so wäre es am Ende gar angebracht gewesen, ein Ausnahmegesetz gegen Stöcker und die Christlich-Sozialen zu erlassen, da die Liberalen und Fortschrittler, ja selbst ein freikonservativer Führer, behauptet haben, die Christlich-Sozialen seien schlimmer als die Sozialdemokraten.

Da nun ein solches Ausnahmegesetz wohl schwerlich zu erlangen gewesen ist, so fiel die liberale Presse in einer Weise über Stöcker und Genossen her, die man anständig nicht mehr nennen konnte. Stöcker glaubte nun, die liberale Presse sei vollständig in den Händen der Juden — wir wollen nicht untersuchen, wie weit er recht hat — und da plötzlich erwachte sein alter Groll gegen das Judentum; er hielt mit demselben nicht zurück und hetzte gegen die Juden, als Hauptrepräsentanten derjenigen Klassen und Personen, welche die Arbeiter und die geringeren Leute nach seiner Meinung übervorteilten.

Wir sagten, Stöckers alter Groll sei erwacht. Gewiß! Bei allen Orthodoxen bricht immer der Gedanke an den allein seligmachenden Glauben durch, so oft sie auch beteuern mögen, daß sie die Frommgläubigen der anderen Kirchen respektierten und dieselben sich selbst gleichachteten. Diese Beteuerung ist nur äußerlich und in den Gegenden, in welchen die Orthodoxen unbestrittene Herrscher über die Seelen ihrer Mitmenschen sind, ernstlich gemeint, dort aber, wo orthodoxe Katholiken, orthodoxe Lutheraner und orthodoxe Juden in der Seelenfängerei einander Konkurrenz machen, da ist überall Neid, Mißgunst und Haß bei den Herren vorhanden. insoweit also ist die Judenfrage auch eine kirchliche Frage. Und auf dieses Gebiet hat sie Stocker geschickterweise mit hinübergespielt, da ihm der soziale Kampf sonst zu heiß geworden wäre.

Seitdem kann aber auch kein vernünftiger Mensch mehr behaupten, daß nur die „unverständigen Massen“ aufgehetzt worden seien. Die Debatten im preußischen Abgeordnetenhause haben gezeigt, daß über 200 Abgeordnete, also die Majorität, zu den Antisemiten gehören, und man müßte schon all diese Herren zur „unverständigen Masse“ rechnen, wenn die liberalen Blätter die landläufige Phrase von der Verhetzung der „unverständigen Massen“ aufrecht erhalten wollen.

Aber auch die Studenten, wenigstens diejenigen, die sich am öffentlichen, politischen Leben beteiligen, stehen in ihrer Mehrzahl auf seiten Stöckers und von Treitschkes. Als die Studenten „kulturpaukten“ oder sich an der Sozialistenhetze beteiligten, da erhielten sie von der liberalen und von Judäa beherrschten Presse immer das Lob höchster nationaler Intelligenz, mit der man rechnen, auf die man sich stützen müsse, als auf die Trägerin der Zukunft. — Jetzt natürlich, da die Herren Studenten nicht in das liberal-semitische Horn mit hineinblasen wollen, da sie der antisemitischen Bewegung sich anschließen, nennt man sie „dumme Jungen“, die erst etwas lernen sollten. Als man sie brauchte, waren die Studenten intelligent, da sie sich nicht gebrauchen lassen, sind sie dumm und unverständig.

Von studentischen Bewegungen hat Schreiber dieser Aufsätze niemals viel gehalten — sie verrauchen ebenso plötzlich, wie sie kommen. Was sollte man auch von den jungen Herren und ihrer Begeisterung anders erwarten, als Strohfeuer. Strohfeuer Für den Liberalismus, Strohfeuer jetzt für den Antisemitismus, und früher, als der Sozialismus einmal Mode in Deutschland war, auch Strohfeuer für diesen!

Wenn wir die Herren Studenten hier als Förderer der Antisemitenbewegung anführen, so tun wir es nicht etwa deshalb, um damit die Bedeutung der Bewegung zu kennzeichnen, sondern deshalb, um den Liberalen zu zeigen, wie oberflächlich sie gedacht und gehandelt haben, als sie in ihren Kämpfen auf diese „nationale Macht“ vielfach sich stützten. Folgerichtig mußten gerade sie, die Liberalen, nunmehr, da die Studenten der Antisemitenbewegung sich angeschlossen haben, derselben eine höhere Bedeutung, ja eine Berechtigung beilegen. — Wir sagten oben, Stöcker habe seine Agitation auf das kirchliche Gebiet mit hinübergespielt; damit soll natürlich nicht gesagt werden, daß er in der Judenfrage das soziale Gebiet verlassen hatte. Beileibe nicht. Und hier kommen wir auf einen Punkt, der höchst bedeutsam ist.

IV.

Man hatte bis zu einem gewissen Grade recht, wenn man behauptete, daß um den Hofprediger Stöcker im Anfange seiner Agitation als Anhänger sich meistens nur Personen aus denjenigen Bevölkerungsschichten scharten, die an äußerstem Mangel litten und von dieser Agitation eine schnelle Hilfe erhofften. Das beweisen auch die Mitagitatoren Stöckers, die Herren Grüneberg, Siering und Genossen, denen man nachweisen konnte, daß sie sich lediglich des klingelnden Lohnes wegen an der Agitation beteiligten. Doch auch schon das Äußere der „Stöckerschen“ ließ ahnen, daß man es meist mit Leuten zu tun hatte, die mit oder ohne Verschulden im ärgsten Elende sich befanden. Eigentliche Arbeiter besuchten jene Versammlungen wenig, und taten sie es, so wurden sie durch pure Neugierde hingetrieben. Hin und wieder verirrte sich auch aus den anderen Gesellschaftsklassen ein oder der andere, doch ging er nicht gem zum zweiten Male zu den Stöcker-Abenden.

So blieb Stöcker isoliert und predigte seinen „Anhängern“ christliche Liebe und Geduld, aber zugleich stachelte er sie auf indem er den Reichtum und das Schlaraffenleben einer gewissen Klasse — er meinte die liberalen Großhändler und Großindustriellen — in glühenden Farben schilderte und daneben die Not und das Elend der Arbeiter stellte. Man beachtete Stöckers Auftreten kaum mehr. Da wandte sich der christlich-soziale Agitator in richtiger Erkenntnis der Lage in groben, aber vielfach gerechten Angriffen gegen die liberale Presse und diese ging in die Falle, indem sie wieder schmähte und, was schlimmer und dümmer war, gewohnheitsmäßig zahlreiche Lügen über Stöcker und seine Versammlungen fabrizierte. Das war Wasser auf Stöckers Mühle — hatte dieselbe bis dahin fast stille gestanden, so brauste jetzt eine Hochflut schäumenden Wassers in die Räder. Der christlich-soziale Agitator donnerte, und zwar mit gewissem Geschick, nunmehr gegen die liberale Judenpresse. Die an der liberalen Presse angestellten Juden fühlten sich beleidigt und schimpften noch mehr und logen in allen Tonarten. Jetzt griff Stöcker die Juden und das Judentum selbst an — seine Agitation fing an, interessant und aufregend zu wirken. Anstatt der vielfach konfiszierten Gestalten von früher setzten sich die zahlreich besuchten christlich-sozialen Versammlungen nunmehr aus anderen Elementen zusammen, ein Kern von den früheren Besuchern blieb allerdings, an denselben aber reihten sich Beamte, Studenten, Handwerker und die zahlreich in Berlin sich aufhaltenden „Gutsbesitzer“ ohne Gut an, welche von ihren Manichäern von Haus und Hof vertrieben worden.

Der kleine Beamte hatte von Levi ein Darlehen bekommen, konnte es nicht zurückzahlen und wurde bedrängt und bedroht; ähnlich erging es dem Studenten; was den „Gutsbesitzer“ trieb, haben wir schon gesagt, der Handwerker aber sieht in dem „Juden“ die verkörperte freie Konkurrenz, die er fürchtet, weil er dem Großbetrieb nicht gewachsen ist. So sind fast alle Schneider und Schuhmacher in Berlin Judenhasser, weil sie von den Juden entweder direkt abhängig sind, oder der Konkurrenz der „Goldnen 110“ und wie die jüdischen Ladengeschäfte sich sonst nennen mögen, unzweifelhaft unterliegen.

Daß Neid, Mißgunst, Faulheit und Ungeschicklichkeit hier vielfach mit die Triebfedern zum Judenhall abgeben, ist unverkennbar, daß diese Triebfedern aber durch ganz besondere Rücksichtslosigkeit, mit welcher die Juden in den Erwerbskampf eintreten, gefördert, ja bis zum wilden Hasse gegen sie gesteigert werden, das ist mit Sicherheit anzunehmen.

Aus den nunmehrigen Besuchern der Stöckerschen Versammlungen entstand die Antisemitenliga, die an und für sich gar keine Bedeutung hat, weil ihre Zahl nicht groß und die in derselben befindlichen Elemente, wie aus Vorstehendem erhellt, gerade nicht die reinsten sein konnten. Arbeiter gibt es in der Antisemitenliga fast gar keine; ferner hat sich auch herausgestellt, daß die wenigen wirklichen Arbeiter, die der Stöckerschen Bewegung anfangs zugetan waren, als der Streit mit den Juden entbrannte, sich vollständig zurückzogen. Sie taten auch wohl daran als unbeteiligte Dritte, die sich über den Streit ihrer gemeinsamen Gegner freuen mußten.

V.

Wir haben im Vorstehenden gezeigt, wie aus der christlich-sozialen Bewegung die Judenfrage emporgetaucht ist, und zwar hauptsächlich hervorgerufen durch die Ungeschicklichkeit der liberalen Presse — an der Spitze der ,Börsen-Courier‘ —, die, anstatt die christlich-sozialen Versammlungen totzuschweigen oder aber mit Anstand über dieselben zu berichten, die tollsten Allotria treiben ließen, und zwar unverkennbar durch jüdische Reporter. Wir haben ferner gezeigt, daß die gegenwärtige Judenfrage in Deutschland eine religiöse und eine politisch-soziale Seite hat — die rein religiöse Seite, so unangenehm sie gerade für die Juden sein mag — wollen wir keiner weiteren Betrachtung unterziehen, getrost und gern wollen wir sie vielmehr den Pfaffen aller möglichen und und möglichen Glaubensbekenntnisse, ihrer Duldsamkeit resp. Unduldsamkeit überlassen, da sie auch von keiner einschneidenden Bedeutung an sich ist. Nur insoweit sie sich mit der politisch-sozialen Seite, z. B. durch Stellungnahme des katholischen Zentrums und der in den Parlamenten sich befindenden Evangelisch-Orthodoxen, verquickt, werden wir sie berühren müssen. Außerdem müssen wir ihrer auch gedenken, wenn wir auf die Empfindlichkeit der Juden in bezug auf ihre Stellung in der Gesellschaft zu sprechen kommen. Vorzugsweise beschäftigt uns bei der Judenfrage aber die soziale Frage, und es ist unverkennbar, daß auf sie das größBte Gewicht zu legen ist, wie wir es auch in diesem Artikel schon getan haben.

Es ist unleugbar, daß die Juden den Germanen in der Ausbeutung der wirtschaftlichen Zustände überlegen sind. Deshalb die bessere wirtschaftliche Stellung der Juden, deshalb ihr größerer Reichtum und deshalb ihr Dominieren in allen ökonomischen Verhältnissen; deshalb aber auch der Neid, die Mißgunst und der Haß gegen die Juden. Und hier haben wir es denn noch mit einer dritten Seite der Judenfrage, mit der Rassenfrage, zu tun. Ist nun die jüdische Rasse im allgemeinen so viel tüchtiger, so viel fähiger, als die germanische, daß sich die Christlich-Germanen aus lauter Verzweiflung die Haare ausraufen möchten? Antwort: Nein! Dreimal nein!

Körperlich kräftiger ist der germanische Stamm sicherlich, als der jüdische, und geistig bedeutender auch. Für die erste Behauptung brauchen wir wohl keinen Beweis zu führen, für die zweite aber — selbstverständlich suchen wir unsere Beispiele nur in der Zeit, wo Juden und Germanen in Deutschland nebeneinander wohnen — genüge folgendes: Wenn die Germanen bedeutende Fürsten, z. B. Friedrich II., Joseph II., wenn sie bedeutende Heerführer und Staatsmänner, z. B. Gneisenau und Stein, besitzen, so können sie diese gegen das Judentum nicht ins Gefecht führen; sie können sich vielmehr lediglich auf die Heroen der Kunst und Wissenschaft stützen.

Geister allerersten Ranges besitzt das Judentum in Deutschland nicht und hat es nicht besessen. Kant, Hegel, Schopenhauer — in der Philosophie; Humboldt, Häckel — in den Naturwissenschaften; Goethe, Schiller, Lessing  in der Dichtkunst; Beethoven, Mozart, Wagner in der Tonkunst; Cornelius, Kaulbach, Rauch — in der Malerei und Bildhauerkunst. Diesen Geistern und Künstlern allerersten Ranges, denen leicht noch eine Anzahl hinzuzufügen wäre, können die Juden, eine so große Verehrung wir für Johann Jacoby als Philosophen, für Heine als Dichter, für Börne als Patrioten und für Lassalle als Universalgenie hegen, doch fast nur diese und dann die Komponisten — Meyerbeer, Mendelssohn und Offenbach, die wir aber nicht verehren, als bedeutende Erscheinungen in der deutschen Literatur und Kunstgeschichte entgegenstellen. Also was den Geist im allgemeinen betrifft, überragen die Germanen die Juden jedenfalls; aber in bezug auf den Geist in ökonomischer und rein sozialer Beziehung sind den Germanen die Juden, um mit Onkel Bräsig zu sprechen, „weit über“ — dafür bürgen die Namen, die großen geheiligten Namen: Rothschild und Bleichröder.

VI.

Wenn nun die Juden in wirtschaftlicher Beziehung den Germanen überlegen sind — so liegt dies an den teils angeborenen, teils im Laufe der historischen Entwicklung hinzugekommenen Eigenschaften der Juden. Rücksichtlosigkeit im Erwerbskampfe, hervorgerufen durch die zahlreichen Verfolgungen, denen die Juden Jahrhunderte hierdurch ausgesetzt waren; asiatische Schlauheit, die fast an Unehrlichkeit streift, eine angeborene Eigenschaft, welche die Juden früherer Zeit mit den Phöniziern und jetzt mit den Armeniern teilen — das sind unverkennbar Eigenschaften, durch welche die Juden in wirtschaftlicher Beziehung in Deutschland emporgekommen sind, besonders wenn man bedenkt, daß die Germanen im allgemeinen, als sie mit den Juden in Berührung kamen, mit einer tölpelhaften Redlichkeit behaftet waren und daß ihre Schlauheit von äußerst zweifelhaftem Werte gewesen ist.

Dann aber ist der Jude fleißig, sparsam und nüchtern; der Germane aber vielfach faul und verschenderisch, und daß er schwere geistige Getränke liebt, ist weltbekannt. Was lag nun näher, als daß bei Berührung mit den Juden die Germanen die guten Eigenschaften der ersteren sich anzueignen hatten, die schlechte von sich stoßen mußten?

Die germanische Rasse wäre veredelt worden und die jüdische mit. In einem großen tüchtigen Volke, welches nicht in kriegerischem Dünkel und in vielfach dünkelhaher Gelehrsamkeit sich gefällt, muß eine minderzählige Rasse mit tüchtig und gut werden. Aber was ist geschehen? Die germanischen Kaufleute und Erwerbstätigen haben von den Juden die Rücksichtslosigkeit im Erwerbskampfe und die an Unehrlichkeit streifende asiatische Schlauheit an angenommen, die guten Eigenschaften der Juden, Fleiß, Sparsamkeit und Nüchternheit, aber wenig beachtet. Dadurch ist der so sehr unangenehme Ton in das deutsche Geschäftsleben gekommen, ohne daß es den Germanen gelungen wäre, die Herrschaft der Juden abzuschütteln oder doch wenigstens eine gleiche Stellung mit ihnen zu erlangen.

Bekanntlich herrscht beispielsweise in Frankreich in der Geschäftswelt bedeutend mehr Reellität, als in Deutschland — das mag darauf zurückzuführen sein, daß es jenseits des Rheines wenige Juden gibt und daß die Franzosen es verstanden haben, diese wenigen zu französisieren; möglich auch, daß die Franzosen noch dabei die guten Eigenschaften der Juden angenommen, die schlechten aber zurückgestoßen haben. Wenn nun an der gegenwärtig in Deutschland sich abspielenden Antisemitenbewegung wenige Geschäftsleute sich beteiligen, so ist das leicht zu erklären, weil diese sich wohl bewußt geworden sind, im Erwerbsleben „jüdisch“ geworden zu sein.

Die einfachen Bürger, Bauern und Arbeiter aber beteiligen sich deshalb nicht an der Bewegung, weder für noch gegen die Juden, weil sie in dem ganzen Erwerbskampfe überhaupt die Benachteiligten sind und es ihnen deshalb ganz gleich sein kann, ob diese Benachteiligung durch echte Vollblutjuden oder durch „christ1iche“ Juden geschieht. Und wahrhaftig, die Originale sind uns dabei noch lieber, als die schlechten Kopien. Bleiben uns nur noch übrig: Pfaffen aus religiösen Gründen, „Teutonen“ oder Urgermanen, die aber den Franzosen ebenso hassen als den Juden, aus Rassegründen — zu diesen zahlen besonders Professoren (Treitschke) und Studenten; dann Schuldner und Übervorteilte und deren Verwandte und Genossen aus ökonomischen Gründen — kleine Handwerker, deren Konkurrenzfähigkeit durch den Handel der Juden gestört ist, Gutsbesitzer und Bauern, deren Güter „ausgeschlachtet“‘ wurden, Beamte, Offiziere und Studenten, die den „Krawattenfabrikanten“ in die Hände gefallen sind, und arme Adlige, denen von reichen Jüdinnen ein Korb erteilt worden ist Allerdings ist das eine nette Liga, eine nette Verbrüderung. Da möchte man fast noch lieber Jude sein!

VII.

Die deutschen Kaufleute, Handelsherren, Bankiers etc., kennen sich im großen und ganzen nicht gegen die Juden wenden, sie können auch keine Antipathie gegen die schlechten Eigenschaften derselben besitzen, weil sie sich letztere zum großen Teile angeeignet haben und dadurch selbst „verjudet“ worden sind; unbequem aber war und ist es ihnen, die guten Eigenschaften der Juden zu erwerben. Deshalb kommen jene Herren bei der ganzen Frage nicht ernstlich in Betracht.

Daß ferner auf den Haß der Antisemiten-Liga, dieser sauberen Verbrüderung, die Juden nichts zu geben haben, das zeigten wir schon im vorigen Artikel. Bleiben also noch übrig das eigentliche Volk und diejenigen Leute, welche durch die wirtschaftliche Überlegenheit der Juden gerade nicht direkt geschädigt werden, aber wohl wissen, daß durch dieselbe das gesamte Volk in Mitleidenschaft gezogen wird. An der Judenhetze beteiligt sich dennoch das deutsche Volk nicht, aber die Juden sind ihm nicht sympathisch.

Diese Erscheinung ist sehr leicht zu erklären. Wie die Kinder alles Fremdartige mit Schrecken, Widerwillen oder Militrauen betrachten, es aber nach und nach lieb gewinnen, wenn das Fremde angenehme Eigenschaften entwickelt, so haben auch die Germanen den jüdischen Fremdling mit Widerwillen empfangen. Da nun derselbe sich nicht in das germanische Wesen hineinfinden konnte, da er auch, wenigstens für die germanische Anschauung, keine oder doch nur wenige angenehme Eigenschaften entwickelte, so blieb der Jude fremd in deutschen Landen, und das Volk fand keinen Gefallen an ihm; daß daneben die pfäffischen Aufhetzereien den Sinn des Volkes beeinflußten, ist nicht zu bestreiten. Aber auch jetzt noch und auch dort, wo das Priestertum allen Einfluß verloren hat, trägt man dem Juden Antipathie entgegen, und zwar hauptsächlich seiner vielfach unleidlichen gesellschaftlichen Gepflogenheiten wegen. Und da nun der Mensch einmal Gesellschaftstier in des Wortes verwegenster Bedeutung ist, so kann man über die gesellschaftlichen Gepflogenheiten der einzelnen nicht so leicht hinwegkommen. Dr. Stroußberg und die ,Frankfurter Zeitung‘, die wir gleich zitieren werden, sind in dieser Beziehung gewiß klassische Zeugen.

Eine der schlechten Eigenschaften der Juden ist nämlich die an Lächerlichkeit streifende Empfindlichkeit. Während die Juden und die von Juden geleiteten Witzblätter das andern Personen Heilige spöttisch in den Staub ziehen, ärgert sich selbst der aufgeklärte Jude, wenn man irgendeine jüdisch-religiöse Zeremonie lächerlich findet  der religionslose Jude wird jedem Angriff auf die jüdische Religion gegenüber plötzlich, wenn auch nur scheinbar, orthodox. Mit welchem Spotte haben wir jüdische Mitbürger über das Prozessionswesen der Katholiken urteilen hören, und wie ärgerlich waren dieselben Herren, wenn man sich darüber amüsierte, daß die Rabbiner den Bart sich mit der Zange abkneifen müssen.

Wenn ein Jude einem Hunde den Namen „Stöcker“ beilegt, wie dies vorgekommen ist, so ist diese Roheit ein ganz unverzeihlicher Ulk; erlaubt sich aber ein Nichtjude, nur auf die krumme Nase der Juden anzuspielen, so redet man in jüdischen Kreisen sofort von Judenhetze. Ein solches Gebaren ist unbillig, es ist für jeden vernünftigen Menschen verletzend, es ist mehr, als das — es ist ungezogen. Sagt doch selbst die ,Frankfurter Zeitung‘, daß die Juden „eine gewisse krankhafte Empfindlichkeit ablegen müßten“ und „daß es eine lächerliche Übertreibung sei, daß, sobald irgendwo einem jüdischen Burger ein wirkliches oder vermeintliches Unrecht geschieht, sofort über Beleidigung der Juden als solche geklagt wird.“ Taktlosigkeit ist überhaupt eine hervorragende Eigenschaft des Emporkömmlings. Wenn nun Herr Dr. Stroußberg, der es doch wahrlich wissen muß, bei der Besprechung der gegenwärtigen Judenfrage erklärt, „daß eine übergroße Zahl Juden auf allen Gebieten plötzlich Stellung nimmt und mit der dem Emporkömmling eigenen Taktlosigkeit verletzt“, so brauchen wir diesem klassischen Ausspruche doch gewiß nichts hinzuzufügen. Nichts ist widerwärtiger als der „jüdische Witz“.

Der eigentliche Berliner ist ein sehr gut gearteter Mensch, hingegen ist der so genannte „Berliner Witz“ weniger gut geartet, auch im übrigen Deutschland und besonders in Süddeutschland nicht beliebt. Das aber kommt daher, weil unser Witz gar kein Berliner Kind ist, sondern ein „jüdisch-berlinisierter Wechselbalg“, der meistens auch von jüdischen Handlungsreisenden in ganz Deutschland kolportiert wird und Berlin keine besondere Ehre einträgt. Die Berliner jüdischen Witzblätter aber?  „Daß sich Gott erbarm’!“ Sie beugen sich der Macht und besudeln die Opposition  das ist jetzt ihre ganze Mache. Berlin ist im übrigen Deutschland verrufen durch die witzemachenden, meist jüdischen Berliner Reisenden, die durch ihr taktloses Benehmen, durch ihre Albernheit und Arroganz, durch ihre Schwatzhahigkeit und Aufschneiderei in den Provinzialstadten schon das geflügelte Wort hervorgerufen haben: „Das ist Berliner Wind.“

Wir machten schon auf den Unterschied aufmerksam, der die westeuropäischen Juden von den osteuropäischen vorteilhaft unterscheidet  wir sagen nochmals, weil ihre historische Erziehung eine bessere war und diesen Unterschied findet man auch besonders in bezug auf die Reinlichkeit.

Auf verschiedene andere gesellschaftliche Ungezogenheiten wollen wir hier nicht eingehen, weil das zu kleinlich erscheinen würde, obwohl die guten äußerlichen Formen, das gute äußerliche Benehmen den Umgang der Menschen untereinander sehr erleichtern. Ferner ist es eine sehr schlechte Eigenschaft der Juden, daß sie in ihrer Mehrheit die deutsche Sprache insultieren in Wort und Schrift. Angeblich wollen diese Leute gute Deutsche, ja echt national sein; das erste wäre aber dann, deutsch zu reden und deutsch zu schreiben. Wenn über das schlechte Zeitungsdeutsch von allen Seiten geklagt wird, so tragen gerade die jüdischen Literaten viel Schuld an demselben. lst es doch ein geborener Jude, Ferdinand Lassalle, gewesen, der hierüber am meisten entrüstet war und seiner Entrüstung mehrfach vernichtenden Ausdruck verliehen hat. Wenn man also jüdischerseits will, daß die Antipathien im Volke gegen das Judentum verschwinden sollen, so müssen die Juden sich bemühen, so viel als möglich und so rasch als möglich ihre gesellschaftlichen Ungezogenheiten abzulegen.

Wir wollen diesen Artikel schließen mit der Mahnung, die Herr Dr. Stroußberg kürzlich seinen Stammesgenossen in bezug auf die Judenfrage erteilt hat: „Den Juden raten wir, sich bei der gegenwärtigen Bewegung nicht zu beteiligen, sondern durch Anstand und Maß zu versöhnen und durch Handeln und Auftreten Zeugnis abzulegen, daß der jüdische Stamm Edles, Gutes und Ideales vermag, sich im Hinblick auf die Vergangenheit selbst Beschränkungen aufzuerlegen und gegen eigene Stammesgenossen ein strenges Urteil und eine edle Anregung an den Tag zu legen. So allein wird man im Laufe der Zeit Vorurteilen begegnen und sich die Liebe und Achtung anderer Stamme erwerben können.“

VIII.

In der Petition der Antisemitenliga, welche übrigens gar nicht an die Adresse des Reichskanzlers gelangt ist, verlangen die Herren Unterzeichner ein Ausnahmegesetz gegen die Juden  wohlgemerkt: eine gesetzliche Einschränkung der Juden in bezug auf die Einwanderung, auf obrigkeitliche Stellungen und auf die Schulen. Die beiden letzten Punkte haben ja auch auf die Ultrumontanen „mehr oder weniger gesetzliche Anwendungen gefunden und — Hand auf‘s Herz! — ist die gesetzliche Ausweisurig der Sozialisten von Herd und Heimat nicht viel schlimmer, als eine gesetzliche Einschränkung der Einwanderung der Juden jemals sein kann? Mit wahrer Wollust aber haben jüdische Abgeordnete die Kulturkampfpauke gerührt, mit noch größerer Wollust die Sozialistenhetze mitgemacht! Wurde doch der Jude Lasker in öffentlicher Reichstagssitzung, und zwar mit vollem Rechte, die „Hebamme des Sozialiestengesetzes“ genannt! Nachdem nun solche Ausnahmegesetze gegen deutsche Stammesgenossen, welche an Zahl die Juden in Deutschland dreilligmal überragen, von Deutschen unter Beihilfe der überaus großen Mehrzahl der Juden in Deutschland — man denke nur an die früheren Hetzartikel des Herrn Bernstein gegen die Sozialdemokratie in der Berliner ,Volkszeitung‘ — zustande gebracht worden sind, da schreit man Zeter und Mordio, wenn von einigen unreifen Leuten eine Petition an den Reichskanzler gerichtet werden soll, die Ausnahmegesetze gegen die Juden verlangt!? Das ist einfach lächerlich!

Die Juden sind nicht besser als die Katholiken und die Sozialdemokraten, sie wollen es aber sein und werden leider auch dafür gehalten, weil, nun eben, weil sie Geld, viel Geld haben. Wie konnte denn sonst die wahrhaft einfältige Forckenbecksche Erklärung“ entstehen, in der es wörtlich heißt: „Gebrochen wird die Vorschrift des Gesetzes, wie die Vorschrift der Ehre, daß alle Deutschen in Rechten und Pflichten gleich sind. Die Durchführung dieser Gleichheit steht nicht allein bei den Tribunalen, sondern bei dem Gewissen jedes einzelnen Bürgers.“ Das ist eine bewußte Unwahrheit, die die Unterzeichner jener Erklärung aussprechen. Die „Vorschrift des Gesetzes und der Ehre, daß alle Deutschen in Rechten und Pflichten gleich sind“, braucht nicht erst gebrochen zu werden, sie ist gebrochen durch die in Deutschland bestehenden Ausnahmegesetze, denen sämtliche Unterzeichner, von welchen mehrere, wenn auch nur zahme, aber immerhin doch Gründer in den 70er Jahren gewesen sind, zugestimmt haben. Das Gewissen dieser Herren Bürger muß also sehr weit sein. Der mutmaßliche Verfasser oder Mitverfasser jener Erklärung, in welcher nebenbei die Juden sehr gelobhudelt werden, Herr Professor Mommsen, aber schreibt über die Juden in seiner „Römischen Geschichte“: „Auch zu jener Zeit endlich begegnen wir der eigentümlichen Antipathie der Okzidentalen gegen die so gründlich orientalische Rasse und ihre fremdartigen Meinungen und Sitten.“

Nunmehr hat derselbe Herr eine Broschüre geschrieben, in welcher er sagt, man müsse die Juden in Deutschland gerade so gut als einen deutschen Stamm betrachten, als z. B. die Pommern und Sachsen. Das glaubt dem Herrn Mommsen in erster Linie nicht ein einziger Jude! Wären die Juden arm im Konkurrenzkampfgeblieben, so wurden die Herren Liberalen keine Lanze für sie einlegen — und daran möge man den Wert der Erklärung der Herren Forckenbeck und Genossen ermessen.

Einen gleichen Wert hat die Interpellation des Abgeordneten Hänel im preußischen Abgeordnetenhause. Mit welcher Vehemenz gingen die Liberalen bei dieser Gelegenheit für die Juden und gegen Ausnahmegesetze ins Zeug, während sie mit derselben Vehemenz gegen ihre deutschen Brüder, die Katholiken und Sozialdemokraten, in den Kulturkampf und auf die schiefe Ebene der Ausnahmegesetze gezogen sind!

Der Abgeordnete Richter, der enragierte Verfechter der Herrschaft des Privatkapitals, der sogar zu Gunsten desselben die Befugnisse der Reichsbank beschränken wollte und dadurch sich den Dank der jüdischen Bankiers erworben hat, verstieg sich in jener Judendebatte in seiner Begeisterung für die Juden gar zu den heftigsten, unmotiviertesten Angriffen gegen die Klerikalen und Sozialdemokraten, welche Angriffe, soweit sie die ersteren betrafen, siegreich von Herrn Windthorst zurückgewiesen wurden. Den Sozialdemokraten aber warf der edle Ritter Eugen bei dieser Gelegenheit vor, daß sie die fluchwürdigen Attentate verschuldet hätten. Obwohl Richter nicht für das Sozialistengesetz gestimmt hat, suchte er durch solchen Ausspruch den Erlaß des Gesetzes zu rechtfertigen — sonst hätte die Unwahrheit doch gar keinen Sinn gehabt.

Stöcker und Richter — soviel Worte, soviel Unwahrheiten! Stöcker wurde von dem sehr anständigen jüdischen Abgeordneten Ludwig Löwe gründlich heimgeleuchtet, Richter von verschiedenen klerikalen und konservativen Rednern. Der beste Redner in der ganzen durch die Interpellation Hänel hervorgerufenen Judendebatte war unzweifelhaft der klerikale Abgeordnete Peter Reichensperger. Er zeigte, daß jedesmal, wenn die Reaktion ihr Haupt machtvoll erhebe, derartige Fragen auftauchten. So im Jahre 1855, als im preußischen Abgeordnetenhause konservative Abgeordnete (von Gerlach und Genossen) einen Antrag auf Aufhebung der den Juden durch die Verfassung gewährleisteten Rechte gestellt hatten. Diesen Antrag habe er mit seinen Freunden zu Falle gebracht, doch sei ihm das schlecht gelohnt worden, da die Herren Juden recht brav gegen ihn und seine Genossen die Kulturpauke gerührt hätten. Die Petition der Antisemitenliga aber, die noch gar nicht eingereicht worden, sei doch im Vergleich mit solchem Antrag sehr harmlos. Und deshalb solch‘ Geschrei?

Die Antwort der Regierung auf die Interpellation befriedigte bekanntlich alle Parteien — sie war sehr allgemein gehalten, doch merkte man, daß die Stimmung in den Regierungskreisen der „Judenhetze“ nicht abgeneigt war. Die konservativen Redner bezeugten dies voll und ganz. Und dieses Zeugnis ist wichtig, da man aus demselben den Schluß ziehen mul}, daß die ganze Antijudenbewegung ohne die in den Regierungs- und auch in vielen Volkskreisen herrschende Reaktion unmöglich gewesen wäre.

IX.

Allbekannt ist es, und wir haben es auch im Laufe dieser Abhandlung schon ausgesprochen, daß die Verfolgungen, denen die Juden ausgesetzt waren und in denen doch sicherlich auch ihre Eigentümlichkeiten — um keinen härteren Ausdruck zu gebrauchen — mit schuld gewesen sind, schließlich den heutigen Juden, so wie er ist, mit gezeugt haben. Natürliche und erbliche Anlagen und dann die historische Entwicklung — sie zusammen sind die Faktoren, welche Rassen und Stämme, Völker und Nationen bilden.

Kein Stamm, keine Nation ist von Verfolgungen verschont geblieben, das alte klassische Griechenland und das stolze Römerreich, sie sind dem Anstürmen der Barbarenhorden erlegen, viele Nationen gingen zu Grunde, alle noch bestehenden sind verändert aus den Kämpfen und Verfolgungen, unter denen sie gelitten haben, hervorgegangen — so auch die Juden. Nur kommt es hierbei in Frage, ob die Verfolgungen einen Stamm, eine Rasse geläutert oder minderwertig gemacht haben.

So ist z. B. ist aus der Mischung der Gallier, Römer und Franken ein herrisches Volk — die Franzosen — entstanden, und auch die Deutschen, soweit sie den slavischen Einflüssen widerstanden haben, sind ebenso tüchtig im Laufe der Geschichte geworden. Die hauptsachlich aus deutschem Stamme, mit normannischem Blute vermischt, entstandenen Engländer sind gleichfalls aus allen Kämpfen und Verfolgungen glorreich hervorgegangen. Und auch die Angehörigen dieser Völkerschaften haben Verfolgungen ertragen können und können sie noch ertragen. Nur zwei Beispiele: die Dragonnaden in Frankreich — Verfolgungen, die sich ebenbürtig den Judenverfolgungen im Mittelalter anreihen —haben die Hugenottenfamilien, wo wir sie noch vorfinden, zu hochedeln Mitgliedern der Gesellschaft auch in den fremden Ländem gemacht, die Sozialistenverfolgungen der Neuzeit haben die Sozialdemokratie geläutert und läutern sie noch immer, wie von allen klaren Köpfen und unparteiischen Menschen anerkannt wird.

Kann man nun auch von den Juden sagen, daß sie durch die Verfolgung geläutert seien? — Mitnichten! Und gerade hier ist der Beweis sehr leicht zu führen. Spricht man nämlich bei Juden oder speziellen Judenfreunden von den schlechten Eigenschaften der Juden, so kann man 100 gegen 1 wetten, daß die erste und meist einzige Antwort lautet: „Aber bedenken Sie doch die langjährigen Verfolgungen!“ Diese stereotype, diese landläufige Redensart ist geradezu vernichtend für diejenigen, welche sie immerwährend im Munde führen. Durch dieselbe gesteht man nämlich ein, daß die Juden gerade nicht die „besten Brüder“ sind! Sagt doch selbst die ,Frankfurter Zeitung‘ bei Gelegenheit der Besprechung der Judenfrage, daß sie sich nicht wundere über das Mißbehagen juristischer Kreise, „die Sohne notorischer Wucherer und Aussauger in ihrer Mitte zu sehen.“

Und deshalb betonen wir hier ausdrücklich, daß, so viele gute Eigenschaften die Juden besitzen mögen, sie diese bislang weniger haben erkennen lassen, daß sie vielmehr ihre schlechten Eigenschaften benutzt haben, zahlreiche Nebenmenschen in ganz nachdrücklicher Weise auszubeuten. Das muß im Interesse der Juden selbst aufhören. Solange die Übervorteilung des Menschen durch den Menschen in den allgemeinen gesellschaftlichen Einrichtungen liegt, solange kann natürlich auch der Jude von dieser Übervorteilung nicht vollständig lassen, aber er hat sich zu mäßigen und braucht sich nicht an die Spitze zu stellen. Das macht ihn in den weitesten Kreisen verhaßt.

Wir haben in unseren Auseinandersetzungen nachgewiesen, daß am aller wenigsten die Juden tolerant sind, da sie sich an den Ausnahmegesetzen der jüngsten Jahre so freudigst beteiligten und trotzdem von einer geradezu dolosen Empfindlichkeit behaftet sind. Nun erfahren wir aber auch noch, daß in Hamburg die Juden in jüngst vergangener Zeit sogar verschmäht haben, auf

dem allgemeinen Kirchhof mit begraben zu werden, trotzdem sanitäre Gründe dafür sprechen. Und diesen ihren Willen haben sie leider vermöge ihres Geldes durchgesetzt. Das bewegt eine Hamburger Zeitung auszurufen; „Aber eine Forderung ist den Juden gegenüber berechtigt: die Toleranz, welche den Juden seitens der Gesellschaft entgegengebracht wird und der wir voll und ganz zustimmen — diese Toleranz müssen wir auch von den Juden verlangen.“ Doch nun genug!

In erster Linie verlangen wir, daß sich das Judentum nicht wie das Kräutlein „noli me tangere“ (rühr’ mich nicht an!) gebärden soll; dann verlangen wir, daß die Juden, eben weil sie sich als Verfolgte ausgeben, niemals und in keiner Weise an Verfolgungen gegen ihre übrigen Mitmenschen sich beteiligen. Die gegenwärtige Judenhetze ist aus den Katholiken und Sozialistenverfolgungen der jüngsten Jahre entstanden, da durch diese die Reaktion entfesselt wurde — in der Reaktion aber liegt der Ursprung aller Verfolgungen. Mögen also die Juden die Reaktion auf allen Gebieten, und zwar selbstlos — nicht bloß die wirtschaftliche Reaktion, die ihnen die Ausbeutung erschwert —  mit bekämpfen, mögen sie diejetzt herrschende Reaktion mit brechen helfen, dann wird die Judenhetze, die zumeist dem Unverstande und bei einzelnen der Charakterlosigkeit und Gcwohrrheit entsprießt, bald schon aufhören.

Wenn die Nacht schwindet, dann schwindet auch das Nachtgevögel! Also: Nieder mit der Reaktion! Gleiches Recht, gleiche Gesetze für Jedermann im Deutschen Reiche!

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